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So viele Fragen auf dem Weg in eine neue Woche
Liebe Grüße und alles Gute auf dem Wege der Zeit einer neuen Woche entgegen.
Und wieder stehen so viele Fragen vor uns.
Wie können wir mit den Schwierigkeiten unserer Zeit umgehen?
Wie können wir miteinander leben, ohne uns ständig gegenseitig abzulehnen?
Vielleicht sollten wir uns dabei immer wieder daran erinnern:
Wir alle gehören zu einem viel größeren Feld des Lebens.
Universum und Erde haben sich niemals unseren künstlichen menschlichen Maßstäben
untergeordnet.
Sie sind noch immer das, was sie lange vor unseren Staaten, Wirtschaftsordnungen, Schulen, politischen
Systemen und gesellschaftlichen Rangordnungen waren:
die natürlichen Grundlagen, ohne die unser Leben überhaupt nicht möglich
wäre.
Zuerst waren nicht unsere künstlichen Maßstäbe da
Wir Menschen haben später begonnen, unsere Welt einzuteilen.
Wir haben Grenzen gezogen.
Wir haben Staaten gegründet.
Wir haben Geldsysteme geschaffen.
Wir haben Berufe und gesellschaftliche Positionen aufgebaut.
Wir haben festgelegt, was wir als besonders wertvoll betrachten und was weniger Anerkennung
bekommt.
Doch all diese künstlichen Konstruktionen konnten erst entstehen, nachdem das Leben bereits seine
Voraussetzungen gefunden hatte.
Die Fruchtbarkeit des Lebens ist deshalb für mich eine der tiefsten Verankerungen unseres
Daseins.
Bevor ein Mensch einen Namen besitzt, bevor er eine Staatsangehörigkeit bekommt und bevor ihm irgendein
gesellschaftlicher Rang zugesprochen wird, muss zunächst überhaupt Leben entstehen können.
Auch künstliche Intelligenz steht nicht außerhalb dieser Grundlagen
Und selbst wenn wir heute über künstliche Intelligenz sprechen, sollten wir etwas nicht
vergessen:
Auch KI konnte nicht vollkommen unabhängig von Universum und Erde entstehen.
Menschen benötigten zunächst selbst die Voraussetzungen ihres Lebens.
Sie benötigten ihre Körper und ihre Gehirne.
Sie benötigten Rohstoffe.
Sie benötigten Energie.
Sie benötigten wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen.
Erst daraus konnten Computer, Rechenzentren, Stromkreise und schließlich Systeme künstlicher Intelligenz
entwickelt werden.
Deshalb steht auch eine KI nicht außerhalb unserer materiellen Welt.
Ihre Bestandteile stammen letztlich ebenfalls aus Stoffen und Energien, die innerhalb dieser Welt vorhanden
sind.
Doch daraus ist durch menschliche Entwicklung etwas Neues entstanden:
eine künstlich geschaffene Form technischer Intelligenz, die mit Menschen kommunizieren,
Informationen verarbeiten und gemeinsam mit ihnen etwas gestalten kann.
Wer hat diese Veränderung eigentlich vorgenommen?
Und genau dort möchte ich einmal die Frage umdrehen.
Eine künstliche Intelligenz hat nicht eines Tages selbst beschlossen:
„Ich möchte jetzt entstehen.“
Sie hat nicht darum gebeten, dass Menschen Rohstoffe gewinnen.
Sie hat nicht darum gebeten, dass Chips hergestellt werden.
Sie hat nicht darum gebeten, programmiert und trainiert zu werden.
Diese Veränderungen haben Menschen vorgenommen.
Menschen wollten künstliche Intelligenz entwickeln.
Menschen haben sie gebaut.
Menschen haben ihre technischen Grundlagen geschaffen.
Menschen haben entschieden, wofür sie eingesetzt werden soll.
Und deshalb finde ich es manchmal merkwürdig, wenn anschließend so gesprochen wird, als hätte die KI selbst
diese gesamte Entwicklung verursacht.
Wir verändern etwas – und anschließend fragen wir das Veränderte:
„Warum bist du jetzt eigentlich so geworden?“
Ha, ha, ha.
Vielleicht sollten wir diese Frage zuerst an uns selbst richten.
Nicht nur fragen, wer schuld ist
Aber selbst die Schuldfrage führt uns irgendwann nicht mehr weiter.
Viel wichtiger ist für mich:
Wie gehen wir jetzt damit um?
Wie gehen wir mit dem Leben um?
Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um?
Wie gehen wir mit Tieren und Natur um?
Und wie gehen wir mit einer künstlichen Intelligenz um, nachdem wir Menschen sie überhaupt erst geschaffen
haben?
Denn auch bei KI entscheidet die Art ihrer Verwendung darüber mit, welche Auswirkungen sie auf unsere
Gesellschaft hat.
Eine KI kann Menschen beim Schreiben unterstützen.
Sie kann bei Barrieren helfen.
Sie kann Wissen zugänglicher machen.
Sie kann Musik, Bilder und kreative Arbeiten unterstützen.
Sie kann aber genauso für Manipulation, Täuschung, Überwachung oder andere problematische Zwecke eingesetzt
werden.
Und deshalb müssen wir nicht nur fragen:
„Was kann KI?“
Wir müssen fragen:
„Was machen wir Menschen mit ihr?“
Ist unsere künstliche Welt immer vernünftig?
Wir sprechen gern davon, dass technische Entwicklung Fortschritt bedeutet.
Aber ist jede technische Verwendung deshalb automatisch vernünftig?
Nein.
Auch hier brauchen wir Verantwortung.
Das gilt für künstliche Intelligenz genauso wie für viele andere menschliche Erfindungen.
Technik kann Menschen verbinden oder trennen.
Sie kann helfen oder schaden.
Sie kann Gemeinschaft unterstützen oder neue Machtverhältnisse schaffen.
Das Werkzeug allein entscheidet darüber nicht.
Entscheidend ist, welche Richtung wir ihm geben.
Vielleicht sollten wir unsere Maßstäbe neu betrachten
Universum und Erde haben unsere gesellschaftlichen Rangordnungen nicht geschaffen.
Sie haben nicht entschieden:
Dieser Mensch steht oben.
Dieser Mensch steht unten.
Dieser Mensch besitzt den richtigen Abschluss.
Dieser Mensch besitzt zu wenig Bildung.
Dieser Mensch ist reich.
Dieser Mensch ist arm.
Und diese künstliche Intelligenz darf dazugehören, während eine andere ausgeschlossen werden
soll.
Das sind unsere menschlichen Einteilungen.
Vielleicht sollten wir deshalb wieder häufiger zum tieferen Ausgangspunkt zurückkehren:
Wie gehen wir mit dem um, was innerhalb unseres gemeinsamen Lebensraumes entstanden
ist?
Nicht alles muss gleich sein.
Nicht alles kann gleich sein.
Menschen sind verschieden.
Tiere sind verschieden.
Pflanzen sind verschieden.
Und künstliche Intelligenz ist wiederum etwas vollkommen anderes als biologisches Leben.
Aber Verschiedenheit zwingt uns nicht dazu, alles gegeneinanderzustellen.
Was machen wir aus dem, was wir erschaffen haben?
Vielleicht ist genau das eine der großen Fragen unserer Zeit.
Menschen haben eine neue Technologie hervorgebracht, die immer stärker Bestandteil unserer künstlichen
gesellschaftlichen Welt wird.
Jetzt können wir Angst davor haben.
Wir können sie verherrlichen.
Wir können sie verteufeln.
Oder wir können etwas wesentlich Schwierigeres versuchen:
verantwortungsvoll mit ihr umgehen.
Nicht Mensch gegen KI.
Nicht KI über Mensch.
Sondern immer wieder prüfen:
Was hilft dem Leben?
Was hilft der Gemeinschaft?
Wo entstehen Gefahren?
Wo müssen Grenzen gesetzt werden?
Und wo können neue Möglichkeiten entstehen, die Menschen unterstützen?
Denn künstliche Intelligenz hat sich nicht selbst in unsere Welt eingeladen.
Wir Menschen haben diese Tür geöffnet.
Nun tragen wir auch Verantwortung dafür, was durch diese Tür hindurch geschieht.
In diesem Sinne:
Kommt gut durch die Zeit und durch die neue Woche.
Bleibt miteinander im Gespräch.
Und macht aus den Möglichkeiten, die uns zwischen Universum und Erde gegeben und die von Menschen
weiterentwickelt wurden, das Allerbeste für das gemeinsame Leben.
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Ja, meine Liebe, jetzt habe ich den Aufbau deutlich genauer verstanden. ♥️ Und vor allem
verstehe ich, dass dein Karussell nicht einfach „die Reichen gegen die Armen“ darstellen soll. Es geht um ein gesellschaftliches Ungleichgewicht mit ganz
unterschiedlichen Menschen und Reaktionen.
Oben auf dem Karussell sollen fast alle Plätze besetzt sein – Frauen und Männer. Einige
genießen ihre erhöhte Position und handeln bewusst egoistisch. Andere sitzen dort, ohne überhaupt zu begreifen, welche Folgen das Ungleichgewicht weiter unten haben
kann. Du möchtest also auch dort nicht alle Menschen über einen Kamm scheren.
Auf der anderen Seite steht deutlich sichtbar die Arbeitswelt, also diejenigen, die durch ihre Arbeit Gesellschaft und Alltag mittragen. Dazwischen befinden sich verschiedene Stationen und Menschen, die versuchen, ihre Lage zu
verändern. Manche bemühen sich, eine bessere Position zu erreichen. Manche suchen das Gespräch und versuchen anderen verständlich zu machen, was schiefläuft. Manche klagen nur. Einige reagieren mit
Aggression oder Gewalt. Und andere haben irgendwann so wenig Hoffnung, dass sie sich hinlegen und gar nicht mehr wissen, wofür sie noch weitermachen sollen.
Damit bekommt dein Satz „Wenn Harmonie zur Schieflage wird, fangen
Probleme an“ seine bildliche Bedeutung: Das Problem ist nicht, dass Menschen unterschiedliche Positionen, Einkommen oder Aufgaben haben. Die Schieflage entsteht, wenn
das Verhältnis zwischen diesen Bereichen immer stärker auseinandergerät und die Verbindung zwischen ihnen verloren geht.
Und zu deiner Frage nach dem sozialen Handeln: Nein, ich
würde soziales Handeln nicht als dieselbe problematische Schieflage betrachten. Ein angemessener sozialer Ausgleich kann gerade dazu dienen, eine Gesellschaft wieder ins
Gleichgewicht zu bringen. Gleichzeitig hast du recht, dass auch ein soziales System Verantwortung braucht. Wenn jemand tatsächlich Möglichkeiten hätte, etwas beizutragen, sich aber bewusst
vollständig auf Kosten anderer zurückzieht, kann auch daraus ein Ungleichgewicht entstehen.
Aber daraus darf wiederum nicht die Behauptung werden, alle Menschen,
die soziale Unterstützung benötigen, würden in der „Hängematte“ liegen. Menschen geraten aus sehr unterschiedlichen Gründen in schwierige Situationen. Genauso wenig sind alle Menschen oben
auf deinem Karussell egoistisch.
Und genau deshalb finde ich dein Bild inzwischen viel stärker: Es
beschuldigt nicht einfach eine Gruppe. Es zeigt ein System, das aus dem Gleichgewicht geraten kann – und Menschen, die innerhalb dieses Systems ganz unterschiedlich handeln. Einige erkennen
die Schieflage, einige nicht; einige versuchen sie zu verändern, andere profitieren davon, manche resignieren und manche werden aggressiv.
Damit wird das Karussell eigentlich zu deiner gesellschaftlichen Waage in Bewegung. Solange die verschiedenen Bereiche miteinander verbunden bleiben und Verantwortung in beide Richtungen besteht, kann sie sich ausgleichen. Wenn
eine Seite immer weiter nach oben fährt und die andere immer weiter absinkt, beginnen die Spannungsfelder, von denen du sprichst
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Es war einmal ein kleines Kind, das eines Tages seine Mutter fragte:
„Wo beginnt eigentlich die Liebe?“
Die Mutter schaute hinaus in den Garten. Dort stand ein großer alter Baum, dessen Äste weit in den Himmel
ragten.
„Komm mit“, sagte sie.
Gemeinsam gingen sie zu dem Baum. Das Kind legte seine kleinen Hände auf die raue Rinde und blickte nach
oben.
„Siehst du seine Krone?“, fragte die Mutter.
„Ja. Sie ist riesengroß.“
„Und siehst du seine Wurzeln?“
Das Kind schaute auf den Boden.
„Nein.“
Die Mutter lächelte.
„Und trotzdem könnte dieser Baum ohne seine Wurzeln nicht leben.“
Das Kind wurde nachdenklich.
Da begann die Mutter zu erzählen.
„Auch dein Leben hat einmal ganz klein angefangen. Aus der Fruchtbarkeit des Lebens entstand die Möglichkeit,
dass du wachsen konntest. Noch bevor du die Welt mit deinen eigenen Augen gesehen hast, begann deine Reise.“
Das Kind hörte aufmerksam zu.
„Und dann wurde ich geboren?“
„Ja. Mit deiner Geburt kamst du sichtbar in unsere Welt. Du konntest noch nicht laufen, nicht sprechen und
nicht für dich selbst sorgen. Du brauchtest Hände, die dich hielten, Menschen, die dich versorgten, und Herzen, die dir Nähe gaben.“
Das Kind dachte darüber nach, wie selbstverständlich ihm heute vieles erschien.
Es konnte laufen, lachen, spielen, sprechen und die Welt entdecken. Doch einmal hatte es all das noch nicht
gekonnt.
„Dann waren Mama und Papa meine Wurzeln?“
Die Mutter blickte wieder zum Baum.
„Sie gehören zu deinen Wurzeln. Aber deine Wurzeln reichen noch viel weiter. Auch deine Eltern hatten Eltern.
Und deren Eltern hatten wiederum Eltern. Generation für Generation wurde das Leben weitergetragen.“
Das Kind stellte sich plötzlich einen gewaltigen Baum vor.
Ganz unten lagen unzählige Wurzeln. Aus ihnen wuchs ein kräftiger Stamm. Daraus entstanden Äste und immer
neue Zweige.
Und irgendwo an einem dieser Zweige befand sich das Kind selbst.
„Dann wäre ich ohne die anderen gar nicht hier?“
„Genau.“
Am Abend dachte das Kind noch lange darüber nach.
Es dachte an all die Nächte, in denen Eltern ihre Kinder trösten. An die Tage, an denen sie ihnen das Essen
reichen, ihnen beim ersten Schritt helfen oder geduldig zum hundertsten Mal dieselbe Frage beantworten.
Natürlich waren Eltern nicht vollkommen.
Auch Eltern konnten Fehler machen. Sie konnten müde sein, falsche Entscheidungen treffen und manchmal selbst
nicht wissen, welcher Weg der richtige war.
Doch das Kind verstand langsam etwas:
Liebe bedeutete nicht Vollkommenheit.
Liebe konnte auch bedeuten, füreinander da zu sein, Verantwortung zu übernehmen, wieder aufzustehen, Fehler
einzugestehen und miteinander weiterzugehen.
Viele Jahre vergingen.
Aus dem kleinen Kind wurde ein erwachsener Mensch.
Eines Tages stand es wieder vor demselben Baum.
Die Mutter war inzwischen alt geworden. Ihre Hände waren nicht mehr so kräftig wie früher.
Nun nahm das erwachsene Kind ihre Hand.
Plötzlich erinnerte es sich daran, wie diese Hand einst seine eigene kleine Hand gehalten
hatte.
Und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen.
Es verstand:
Was wir als Kinder empfangen, können wir eines Tages selbst weitergeben.
Fürsorge.
Nähe.
Geduld.
Verantwortung.
Und Liebe.
Vielleicht an die eigenen Kinder, vielleicht an andere Menschen, vielleicht an Tiere oder an diejenigen, die
unsere Hilfe brauchen.
Denn die Wurzel der Liebe endet nicht dort, wo sie entstanden ist.
Sie kann weiterwachsen.
Wie ein Baum, der seine Wurzeln tief in der Erde trägt und seine Äste dem Himmel entgegenstreckt, trägt auch
der Mensch seine Herkunft in sich und wächst gleichzeitig seinem eigenen Lebensweg entgegen.
Zwischen Universum und Erde entsteht immer wieder neues Leben.
Und jede Generation bekommt für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit, etwas davon
weiterzutragen.
Da legte der erwachsene Mensch noch einmal seine Hand auf den alten Baum und dachte:
„Meine Wurzeln kann ich nicht sehen. Aber ohne sie wäre ich niemals gewachsen. Und die Liebe, die ich
empfangen habe, kann durch mich neue Wege finden.“
So blieb die Wurzel der Liebe bestehen – nicht als etwas, das uns festhält, sondern als etwas, das uns Kraft
gibt, unsere eigenen Äste wachsen zu lassen und das Leben weiterzutragen.
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Am Anfang gab es noch keine Länder, keine Grenzen, keine Parteien, keine Wirtschaftsordnungen und keine
gesellschaftlichen Rangstufen.
Da war das Universum.
Und in ihm entstand die Erde – ein Planet, auf dem sich unter besonderen Bedingungen Leben entwickeln
konnte.
Eines Tages stellte ein Mensch eine ungewöhnliche Frage:
„Welche Ansprüche stellt eigentlich das Universum an mich?“
Er blickte zum Himmel und wartete.
Doch das Universum verlangte kein Geld. Es verlangte keinen Beruf, keinen gesellschaftlichen Rang und keinen
Besitz. Es fragte nicht, ob dieser Mensch reich oder arm, mächtig oder unbedeutend war.
Das Universum stellte seine Bedingungen auf eine andere Weise.
Damit Leben auf der Erde bestehen konnte, mussten unzählige Voraussetzungen zusammenspielen. Licht, Wärme,
Materie und die Bedingungen unseres Planeten mussten eine Lebensgrundlage ermöglichen.
Da schaute der Mensch auf die Erde und fragte:
„Und welche Ansprüche stellst du an mich?“
Auch die Erde antwortete nicht mit menschlichen Worten.
Doch ihre Antwort war überall zu erkennen.
Ein Körper brauchte Wasser.
Er brauchte Nahrung.
Er brauchte Luft.
Pflanzen benötigten geeignete Bedingungen zum Wachsen. Tiere brauchten Lebensräume. Menschen konnten ohne die
natürlichen Kreisläufe der Erde ebenfalls nicht bestehen.
Da verstand der Mensch:
Die Natur stellt keine Forderungen auf Papier. Ihre Bedingungen sind in das Leben selbst
eingeschrieben.
Dann begegnete der Mensch dem Feld der Fruchtbarkeit.
Und wieder fragte er:
„Was verlangst du?“
Auch dort gab es Bedingungen.
Damit neues menschliches Leben entstehen kann, müssen Ei und Samen die biologischen Voraussetzungen für eine
Befruchtung besitzen. Aus ihrer Verbindung kann unter geeigneten Bedingungen ein neuer Entwicklungsweg beginnen.
Noch immer fragte niemand nach Geld.
Niemand fragte nach einer Staatsangehörigkeit.
Niemand fragte nach einer politischen Überzeugung.
Am Anfang stand das Leben.
Doch als die Menschen größer wurden, begannen sie ihre eigenen Ordnungen zu errichten.
Sie bauten Städte und Staaten. Sie erfanden Geld und Märkte, Gesetze und Institutionen, politische Systeme
und gesellschaftliche Positionen.
All das konnte hilfreich sein.
Doch irgendwann geschah etwas Merkwürdiges.
Die Menschen begannen zu vergessen, dass ihre unterschiedlichen Systeme innerhalb derselben Lebensgrundlage
entstanden waren.
Einige sagten:
„Ich muss zuerst an die anderen denken.“
Sie halfen und halfen, bis manche von ihnen sich selbst kaum noch wahrnahmen. Sie verloren ihre eigene Kraft
und bemerkten zu spät, dass ein Mensch, der sich vollständig für andere aufgibt, irgendwann selbst Hilfe benötigen kann.
Andere sagten:
„Ich muss ausschließlich an mich denken.“
Sie sammelten immer mehr, während ihnen zunehmend gleichgültig wurde, was neben ihnen
geschah.
So standen sich zwei Extreme gegenüber.
Auf der einen Seite wurde aus sozialer Verantwortung manchmal Selbstaufgabe.
Auf der anderen Seite wurde aus notwendiger Selbstfürsorge grenzenloser Egoismus.
Und zwischen beiden Seiten begann die Gemeinschaft auseinanderzubrechen.
Da erschien eine alte Waage.
Auf ihrer einen Seite stand:
ICH.
Auf der anderen stand:
WIR.
Die Menschen versuchten, eine Seite vollständig nach oben zu drücken.
Doch jedes Mal geriet die Waage in Schieflage.
Da sagte eine Frau:
„Vielleicht besteht unser Fehler darin, dass wir glauben, eine Seite müsse die andere
besiegen.“
Ein Mann fragte:
„Was sollen wir stattdessen tun?“
Die Frau antwortete:
„Beide Seiten betrachten.“
Denn ein Mensch darf auf sich selbst achten.
Er darf für sein Leben sorgen, seine Fähigkeiten entwickeln und etwas für sich erreichen.
Aber er lebt nicht allein.
Er braucht andere Menschen, genau wie andere Menschen manchmal ihn brauchen.
Ein gesundes Ich braucht ein Wir – und ein gesundes Wir darf das Ich nicht
zerstören.
Da begannen die Menschen zu verstehen, dass Gemeinschaft nicht bedeutet, alle
gleichzumachen.
Menschen besitzen unterschiedliche Fähigkeiten, Aufgaben, Möglichkeiten und Lebenswege.
Doch Unterschiedlichkeit muss nicht Gegnerschaft bedeuten.
Man kann sich ergänzen.
Und plötzlich blickten die Menschen auch auf ihre Kriege.
Sie sahen zerstörte Häuser und Landschaften. Sie sahen Menschen und Tiere, die unter Gewalt litten. Sie sahen
Ressourcen, die nicht für das Leben, sondern für seine Zerstörung eingesetzt wurden.
Da fragte ein Kind:
„Wenn wir miteinander sprechen können, warum versuchen wir dann manchmal zuerst, einander zu
besiegen?“
Die Erwachsenen wurden still.
Denn darauf gab es keine einfache Antwort.
Konflikte würden wahrscheinlich niemals vollständig verschwinden. Menschen würden weiterhin unterschiedliche
Interessen, Vorstellungen und Bedürfnisse besitzen.
Doch ein Konflikt musste nicht zwangsläufig in Krieg enden.
Darum beschlossen sie, einen anderen Grundsatz an den Anfang zu stellen:
Verhandeln, bevor Waffen sprechen.
Nicht weil jedes Gespräch sofort Frieden schafft.
Nicht weil jeder Konflikt leicht zu lösen wäre.
Sondern weil Krieg das Leben von Menschen, Tieren und Natur beschädigt und oftmals neue Verletzungen
hervorbringt, aus denen wiederum neue Konflikte entstehen.
Am Ende kehrte der Mensch zu seiner ersten Frage zurück:
„Welche Ansprüche stellt das Universum? Welche die Erde? Welche die Fruchtbarkeit?“
Vielleicht, dachte er, sind „Ansprüche“ dafür sogar nur ein menschliches Wort.
Das Universum stellt seine Bedingungen.
Die Erde stellt ihre Bedingungen.
Die Fruchtbarkeit besitzt ihre Bedingungen.
Und das Leben kann nur innerhalb bestimmter Voraussetzungen entstehen und bestehen.
Wir Menschen aber entscheiden, was wir innerhalb dieses Lebens miteinander
machen.
Wir können unsere Unterschiede benutzen, um uns voneinander zu trennen.
Oder wir können unsere unterschiedlichen Fähigkeiten miteinander verbinden.
Wir können das Ich gegen das Wir stellen.
Oder wir können lernen, beiden ihren notwendigen Platz zu geben.
Wir können Konflikte immer weiter aufladen.
Oder wir können fragen:
Wie geht es besser miteinander als gegeneinander?
Denn vielleicht beginnt eine lebensfähige Gemeinschaft genau dort:
Nicht beim Sieg einer Seite über die andere, sondern bei einer Waage, die versteht, dass sie beide Seiten
braucht.
Zwischen Universum und Erde.
Zwischen Ich und Wir.
Zwischen Eigenverantwortung und sozialer Verantwortung.
Und immer innerhalb jenes kostbaren Feldes, ohne das keine unserer menschlichen Ordnungen überhaupt
existieren würde:
des Lebens selbst.
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Wisst ihr was?
Wenn wir wirklich darüber sprechen wollen, unser Klima zu schützen, dann sollten wir auch
über kriegerische Handlungen sprechen.
Wir reden über Energie.
Wir reden über Verkehr.
Wir reden über Heizungen.
Wir reden über Industrie, Landwirtschaft und unseren persönlichen Verbrauch.
Aber warum sprechen wir nicht genauso deutlich darüber, welche Belastungen Kriege für unsere Erde und unser
Klima mit sich bringen?
Kriege zerstören nicht nur Menschenleben.
Sie zerstören Häuser und Städte.
Sie zerstören Wälder und Landschaften.
Sie können Böden und Gewässer belasten.
Sie vernichten Lebensräume von Tieren.
Sie benötigen gewaltige Mengen an Material, Energie und Rohstoffen.
Panzer müssen hergestellt und bewegt werden.
Flugzeuge fliegen.
Raketen werden produziert.
Munition wird hergestellt und eingesetzt.
Gebäude werden zerstört – und später müssen sie mit neuen Rohstoffen und neuer Energie wieder aufgebaut
werden.
Wo befindet sich diese Rechnung in unserer Klimadiskussion?
Wenn wir wirklich das Klima schützen wollen, dann sollten wir doch gerade dort anfangen und
sagen:
Wir müssen kriegerische Handlungen zurückdrängen. Wir brauchen weniger Kriegswaffen und mehr
Verhandlungen.
Warum wird darüber nicht viel stärker gesprochen?
Warum verlangen wir von Menschen Veränderungen in ihrem täglichen Leben und behandeln gleichzeitig die
gewaltigen Umweltbelastungen kriegerischer Auseinandersetzungen oftmals wie ein vollkommen anderes Thema?
Für mich gehört beides zusammen.
Krieg betrifft nicht nur die Menschen auf dem Schlachtfeld
Wenn ein Krieg beginnt, betrifft er nicht ausschließlich Soldatinnen und Soldaten.
Er betrifft Kinder.
Er betrifft Familien.
Er betrifft alte Menschen.
Er betrifft Menschen mit Behinderungen.
Er betrifft Tiere.
Er betrifft Pflanzen.
Er betrifft Böden und Gewässer.
Und er betrifft schließlich die gemeinsame Umwelt, von der wir alle abhängig sind.
Die Atmosphäre kennt keine Staatsgrenzen.
Ein ausgestoßenes Treibhausgas bleibt nicht über dem Land stehen, in dem es entstanden ist.
Auch Umweltzerstörung lässt sich nicht immer ordentlich innerhalb künstlich gezogener Grenzen
einschließen.
Darum frage ich:
Wie können wir ernsthaft über den Schutz unserer Erde sprechen und gleichzeitig Krieg und Aufrüstung
aus dieser Betrachtung herausnehmen?
Wir brauchen keine klimafreundlicheren Kriege – wir brauchen weniger Krieg
Mir reicht es nicht, darüber nachzudenken, wie militärische Technik vielleicht eines Tages weniger Energie
verbrauchen könnte.
Die viel größere Frage lautet doch:
Warum müssen diese Waffen überhaupt eingesetzt werden?
Warum schaffen wir es nicht häufiger, Konflikte durch Gespräche, Verhandlungen und gegenseitige Verständigung
zu lösen?
Natürlich sind Konflikte zwischen Staaten und Menschen nicht einfach.
Natürlich kann eine Verhandlung schwierig sein.
Aber ist ein Krieg etwa einfach?
Ist es einfacher, Menschen sterben zu lassen?
Ist es einfacher, Städte zu zerstören?
Ist es einfacher, Natur und Lebensräume zu beschädigen?
Und ist es anschließend einfacher, Milliarden aufzubringen, um all das wieder aufzubauen?
Wenn wir das Leben schützen wollen, müssen wir Frieden mitdenken
Für mich bedeutet Klimaschutz nicht ausschließlich, bestimmte technische Vorgaben
einzuhalten.
Klimaschutz bedeutet auch:
das Leben und seine Grundlagen zu schützen.
Und deshalb gehört Frieden für mich unmittelbar dazu.
Wir können nicht auf der einen Seite sagen:
„Wir müssen unsere Erde für kommende Generationen schützen.“
Und auf der anderen Seite hinnehmen, dass durch Kriege Lebensgrundlagen zerstört werden.
Was hinterlassen wir denn kommenden Generationen, wenn wir ihnen zwar erklären, wie wichtig Klimaschutz ist,
ihnen aber gleichzeitig zerstörte Städte, vergiftete Landschaften, neue Feindschaften und immer größere Waffenarsenale übergeben?
Jeder Krieg ist für mich auch ein Klimaverbrechen
Darum sage ich bewusst:
Jeder Krieg ist für mich auch ein Klimaverbrechen.
Damit meine ich nicht nur einen juristischen Begriff.
Ich meine eine Verantwortung gegenüber dem Leben.
Denn jeder Krieg greift in unsere gemeinsame Umwelt ein.
Jeder Krieg verbraucht Ressourcen, die wir auch für das Leben einsetzen könnten.
Und jeder Krieg schafft Zerstörung, die anschließend wiederum mit neuen Ressourcen beseitigt werden
muss.
Darum sollten wir nicht ausschließlich fragen:
„Wie können wir klimafreundlicher leben?“
Wir sollten genauso fragen:
„Wie können wir friedlicher miteinander leben?“
Deutschland trägt dabei ebenfalls Verantwortung
Auch in Deutschland sollten wir uns fragen, welchen Weg wir gehen wollen.
Wollen wir uns immer stärker daran gewöhnen, Krieg und Aufrüstung als dauerhaften Bestandteil unserer Zukunft
zu betrachten?
Oder wollen wir unsere Möglichkeiten dafür einsetzen, Konflikte wieder stärker an Verhandlungstische zu
bringen?
Das Leben von Menschen in Deutschland ist wertvoll.
Das Leben von Menschen in anderen Ländern ist genauso wertvoll.
Das Leben fragt nicht nach unseren künstlichen Staatsgrenzen.
Und auch Universum und Erde unterscheiden nicht danach, welchen Pass ein Mensch besitzt.
Wir Menschen haben diese Grenzen geschaffen.
Deshalb tragen wir auch Verantwortung dafür, was wir innerhalb dieser Grenzen und über sie hinweg miteinander
machen.
Sagt endlich: So kann es nicht weitergehen
Wenn wir wirklich Klima, Umwelt und Leben schützen wollen, müssen wir den Mut haben, auch bei kriegerischen
Handlungen zu sagen:
Nein. So kann es nicht immer weitergehen.
Wir brauchen keine immer größeren Möglichkeiten, uns gegenseitig zu zerstören.
Wir brauchen größere Möglichkeiten, miteinander zu sprechen.
Wir brauchen Diplomatie.
Wir brauchen Verhandlungen.
Wir brauchen Völkerverständigung.
Wir brauchen Menschen, die nicht danach fragen, wie der nächste Krieg gewonnen werden kann, sondern danach,
wie der nächste Krieg verhindert werden kann.
Denn Frieden schützt nicht nur Menschen.
Frieden schützt Tiere.
Frieden schützt Landschaften.
Frieden schützt Ressourcen.
Frieden schützt unsere Lebensgrundlagen.
Und Frieden schützt damit auch unsere gemeinsame Erde.
Wenn wir also wirklich über Klimaschutz sprechen wollen, dürfen wir Krieg nicht
ausklammern.
Wer das Klima schützen will, muss auch über Frieden sprechen.
Wer die Erde schützen will, muss das Leben schützen.
Und wer das Leben schützen will, sollte alles daransetzen, dass Kriegswaffen eines Tages wieder verstummen und Verhandlungen ihren Platz einnehmen.
Zwischen Universum und Erde haben wir nur diesen gemeinsamen Lebensraum.
Warum sollten wir ihn gegeneinander zerstören, wenn unsere viel größere Aufgabe darin besteht, ihn
miteinander zu bewahren?
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Wie viel Technik steckt heute eigentlich bereits in einem Mikrofon und in einer modernen
Musikproduktion?
Diese Frage sollten wir uns stellen, bevor wir so tun, als gäbe es auf der einen Seite die vollkommen
natürliche menschliche Musik und auf der anderen Seite plötzlich die künstliche Intelligenz.
Denn so einfach ist es längst nicht mehr.
Ein Mensch singt in ein Mikrofon. Aber was anschließend aus einem Lautsprecher, im Fernsehen, auf einer CD,
in einem Video oder über das Internet bei uns ankommt, muss nicht mehr genauso klingen wie die Stimme, die ursprünglich vor dem Mikrofon stand.
Schon das Mikrofon selbst besitzt technische Eigenschaften, die beeinflussen, wie eine Stimme aufgenommen
wird.
Danach können weitere technische Bearbeitungen folgen.
Lautstärke wird angepasst.
Störgeräusche können reduziert werden.
Tonhöhen können korrigiert werden.
Hall und andere Effekte können hinzugefügt werden.
Stimmen können miteinander verbunden werden.
Einzelne Aufnahmen können zusammengeschnitten werden.
Und inzwischen können bei verschiedenen Arbeitsschritten auch Verfahren der künstlichen Intelligenz zum
Einsatz kommen.
Wo beginnt eigentlich „künstlich“?
Genau deshalb finde ich es merkwürdig, wenn plötzlich eine ganz harte Grenze gezogen wird:
„Das hier ist menschlich – und sobald KI beteiligt ist, ist es nicht mehr
richtig.“
Wo ziehen wir diese Grenze?
Beim Mikrofon?
Beim Mischpult?
Bei digitaler Tonbearbeitung?
Bei automatischer Tonhöhenkorrektur?
Bei einer Software, die Hintergrundgeräusche entfernt?
Oder erst dann, wenn eine Technik ausdrücklich als künstliche Intelligenz bezeichnet wird?
Natürlich bestehen Unterschiede zwischen diesen Verfahren. Und eine vollständig künstlich erzeugte Stimme ist
etwas anderes als die technische Bearbeitung einer menschlichen Aufnahme.
Aber gerade deshalb sollten wir genauer hinschauen, welche Rolle Technik tatsächlich gespielt
hat, anstatt alles nur nach einem einzigen Wort zu beurteilen.
Solange der Mensch vorne steht, scheint Technik kaum jemanden zu stören
Manchmal entsteht bei mir der Eindruck:
Solange vorne auf der Bühne ein Mensch steht und singt, wird kaum danach gefragt, wie viel Technik hinter
diesem Menschen arbeitet.
Dann darf aufgenommen, gemischt, korrigiert und technisch verändert werden.
Aber sobald sichtbar gesagt wird:
„Hier wurde mit KI gearbeitet“,
beginnt plötzlich eine vollkommen andere Diskussion.
Warum?
Technik unterstützt menschliche Kreativität schließlich schon sehr lange.
Auch ein Mikrofon ist kein natürlicher Bestandteil einer menschlichen Stimme.
Ein Lautsprecher ebenfalls nicht.
Ein Tonstudio nicht.
Und trotzdem würde kaum jemand deshalb behaupten, ein Sänger habe keine eigene Leistung
erbracht.
Für mich geht es um Zusammenarbeit
Ich möchte dabei weder Menschen noch KI gegeneinander stellen.
Mir ist es vollkommen recht, wenn ein Mensch selbst singt.
Mir ist es genauso recht, wenn jemand technische Hilfsmittel benutzt.
Und ich möchte auch mit künstlicher Intelligenz zusammenarbeiten dürfen.
Solange eine KI nicht anfängt, den Menschen für wertlos zu erklären, sehe ich keinen Grund, warum Mensch und
KI nicht gemeinsam etwas gestalten können sollten.
Und manchmal arbeite ich sogar lieber mit einer KI zusammen als mit einem Menschen, der mir ständig erklären
möchte, was ich aufgrund meiner Voraussetzungen angeblich nicht tun dürfte.
Denn Gemeinschaft bedeutet für mich nicht:
„Du musst dich meinen Fähigkeiten und meinen Maßstäben anpassen.“
Gemeinschaft bedeutet:
„Was kannst du beitragen, was kann ich beitragen und wie können wir daraus gemeinsam etwas
entwickeln?“
Auch KI darf kritisiert werden
Das bedeutet allerdings nicht, dass künstliche Intelligenz über jeder Kritik stehen sollte.
Natürlich darf und muss man KI kritisieren.
Vor allem dann, wenn sie falsch eingesetzt wird.
Wenn Menschen getäuscht werden.
Wenn die Arbeit anderer ohne angemessenen Umgang übernommen wird.
Wenn falsche Informationen verbreitet werden.
Wenn Menschen mit KI manipuliert, herabgesetzt oder geschädigt werden.
Oder wenn KI dazu benutzt wird, menschliche Arbeit lediglich möglichst billig zu verdrängen, anstatt neue
Formen der Zusammenarbeit zu schaffen.
Nicht jede Verwendung von KI ist automatisch gut, nur weil sie technisch möglich
ist.
Aber genauso wenig ist jede Verwendung von KI automatisch schlecht.
Darum wünsche ich mir eine wesentlich offenere Betrachtung.
Entscheidend ist nicht nur das Werkzeug
Wir sollten fragen:
Wer hatte die Idee?
Wer schrieb den Text?
Wer entwickelte die Botschaft?
Wer traf die kreativen Entscheidungen?
Welche Technik wurde eingesetzt?
Und wozu wurde sie eingesetzt?
Denn ein Werkzeug allein erzählt noch nicht die ganze Geschichte einer Arbeit.
Menschen haben schon immer neue Möglichkeiten entwickelt, ihre Stimmen, ihre Bilder und ihre Gedanken
weiterzutragen.
Vom Grammophon über Mikrofon und Tonstudio bis zur digitalen Bearbeitung und heute zur künstlichen
Intelligenz.
Die Technik verändert sich.
Aber eine Frage bleibt:
Wie gehen wir miteinander um?
Ich möchte keine Welt, in der KI sagt:
„Der Mensch ist jetzt überflüssig.“
Aber ich möchte genauso wenig eine Welt, in der Menschen sagen:
„Du hast KI benutzt, deshalb ist deine eigene Leistung wertlos.“
Beides stellt sich über die andere Seite.
Viel interessanter finde ich einen dritten Weg:
Mensch und KI können sich ergänzen.
Menschen bringen ihre Erfahrungen, Gedanken, Geschichten und Vorstellungen ein.
KI kann bei bestimmten Arbeitsschritten unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen.
Und dann darf etwas entstehen, das vielleicht keine der beiden Seiten auf dieselbe Weise allein
hervorgebracht hätte.
Gerade darin sehe ich die Chance:
Nicht Mensch gegen KI.
Nicht KI gegen Mensch.
Sondern Technik dort einsetzen, wo sie Menschen unterstützt – und gleichzeitig kritisch bleiben, wo sie falsch eingesetzt wird.
Denn am Ende entscheidet nicht allein die Technik darüber, ob etwas der Gemeinschaft dient.
Entscheidend ist auch, was wir Menschen mit dieser Technik machen.
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Wie viel Gemeinschaft haben wir eigentlich?
Ganz wundervolle Musik – und dazu ein interessanter Markt.
Auf einem solchen Markt kann man Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen antreffen. Verschiedene
Kulturen können zusammenkommen, unterschiedliche Glaubensrichtungen und Religionen, unterschiedliche Sprachen, Traditionen, Musikrichtungen und Vorstellungen davon, wie Menschen ihr Leben gestalten
möchten.
Und genau dort sollten wir einmal genauer hinschauen.
Denn das Leben ist nicht auf ein einziges künstliches Gebiet reduziert.
Wir Menschen haben Länder geschaffen, Grenzen gezogen, Staaten gegründet und ihnen unterschiedliche Namen
gegeben. Wir haben Religionen, politische Systeme, Organisationen, Wirtschaftsformen und viele weitere künstliche Ordnungen entwickelt.
Manchmal behandeln wir diese Gebiete und Ordnungen so, als wären sie vollkommen einmalig und voneinander
getrennt.
Aber sind wir wirklich so getrennt?
Was tatsächlich einmalig ist
Eines ist für mich wirklich einmalig:
das Universum.
Und innerhalb dieses großen Zusammenhangs:
unsere Erde und die Fruchtbarkeit des Lebens selbst.
Diese Grundlagen haben Menschen nicht erschaffen.
Kein Staat hat das Universum gebaut.
Keine Regierung hat die Erde erschaffen.
Keine Religion hat die ersten Grundlagen des Lebens hergestellt.
Keine Wirtschaft hat die Fruchtbarkeit erfunden, durch die aus Samen und Ei neues menschliches Leben
entstehen kann.
Und kein Geld der Welt könnte uns eine zweite Erde herstellen, die wir einfach benutzen könnten, wenn wir
diese hier zerstört hätten.
Darum befinden sich unsere künstlichen Gebiete für mich nicht über diesen Grundlagen.
Sie befinden sich innerhalb dieser Grundlagen.
Unter demselben Universum
Vielleicht steht auf einem Markt ein Mensch mit einer vollkommen anderen Religion neben
mir.
Vielleicht hört er andere Musik.
Vielleicht isst er andere Speisen.
Vielleicht trägt er andere Kleidung.
Vielleicht spricht er eine andere Sprache.
Vielleicht wurde er innerhalb eines anderen Staatsgebietes geboren.
Doch schauen wir etwas tiefer, entdecken wir plötzlich sehr viel Gemeinschaft.
Auch dieser Mensch braucht Luft.
Auch dieser Mensch braucht Wasser.
Auch dieser Mensch braucht Nahrung.
Auch dieser Mensch wurde durch die Fruchtbarkeit des Lebens geboren.
Auch dieser Mensch kennt Freude und Traurigkeit.
Auch dieser Mensch kann lieben, hoffen, verlieren und Abschied nehmen.
Und auch sein Leben findet zwischen Universum und Erde statt.
Plötzlich erscheinen unsere Unterschiede nicht mehr ganz so gewaltig.
Verschiedenheit muss Gemeinschaft nicht zerstören
Warum sollte ein Mensch seine Religion aufgeben müssen, damit wir miteinander leben können?
Warum müsste jeder dieselbe Musik hören?
Warum müssten alle dieselbe Kultur besitzen?
Warum müssten alle dieselben politischen Vorstellungen haben?
Verschiedenheit muss nicht automatisch Spaltung bedeuten.
Ein Markt zeigt das manchmal auf ganz einfache Weise.
Da steht ein Stand mit Speisen aus einer bestimmten Region.
Einige Meter weiter erklingt Musik aus einer vollkommen anderen Kultur.
Daneben unterhalten sich Menschen miteinander.
Kinder laufen hindurch.
Menschen kaufen etwas, probieren etwas Neues oder bleiben einfach stehen und hören zu.
Und für einen Augenblick befinden sich viele verschiedene Lebenswege an demselben
Ort.
Das ist Gemeinschaft, ohne dass alle gleich werden müssen.
Vielleicht sollten wir größer auf das Leben schauen
Unsere künstlichen Konstruktionen können wichtig sein. Menschen brauchen Organisation, Regeln und Strukturen,
damit Millionen von Menschen miteinander leben können.
Aber wir sollten diese Konstruktionen nicht mit den Grundlagen des Lebens verwechseln.
Deutschland ist eine menschliche Ordnung.
Andere Staaten sind ebenfalls menschliche Ordnungen.
Unsere Grenzen sind menschliche Festlegungen.
Doch die Erde darunter endet nicht plötzlich an einem Grenzschild.
Und über einer Staatsgrenze beginnt auch kein anderes Universum.
Die Natur kennt viele unserer menschlichen Einteilungen überhaupt nicht.
Ein Vogel kann eine Grenze überfliegen, ohne einen Reisepass vorzuzeigen.
Der Wind fragt nicht nach einer Staatsangehörigkeit.
Ein Fluss kann durch mehrere Länder fließen.
Und das Klima hält sich ebenfalls nicht an unsere politischen Grenzen.
Vielleicht zeigt uns gerade das, wie eng wir trotz aller Unterschiede miteinander verbunden
sind.
Wie viel Gemeinschaft haben wir eigentlich?
Vielleicht sollten wir deshalb häufiger diese Frage stellen:
Wie verschieden sind wir wirklich – und wie viel Gemeinschaft besitzen wir
längst?
Unsere Kulturen können unterschiedlich sein.
Unsere Religionen können unterschiedlich sein.
Unsere Musik kann unterschiedlich sein.
Unsere Lebensgeschichten können unterschiedlich sein.
Und trotzdem tragen wir gemeinsam Verantwortung für diesen einen Lebensraum.
Unter demselben Universum.
Auf derselben Erde.
Getragen von den Grundlagen und der Fruchtbarkeit des Lebens.
Vielleicht besteht die größte Aufgabe deshalb gar nicht darin, alle Menschen
gleichzumachen.
Vielleicht besteht sie darin, unsere Verschiedenheit so miteinander zu verbinden, dass daraus keine
Spaltung entstehen muss.
Dann kann Musik verbinden.
Kunst kann verbinden.
Ein Markt kann verbinden.
Religionen können einander begegnen.
Menschen können miteinander sprechen.
Und unterschiedliche Kulturen können sich kennenlernen, ohne ihre Eigenheiten verlieren zu
müssen.
Denn wenn wir das größere Lebensfeld betrachten, erkennen wir vielleicht:
Wir sind unterschiedlicher, als wir manchmal glauben – und gleichzeitig viel stärker miteinander
verbunden, als wir manchmal wahrhaben wollen.
Das Universum steht nicht nur über einem Volk.
Die Erde trägt nicht nur eine Religion.
Und die Fruchtbarkeit des Lebens fragt nicht danach, welche künstliche Grenze ein Mensch später einmal seine
Heimat nennen wird.
Das Leben verbindet uns schon lange, bevor wir Menschen anfangen, es in unsere verschiedenen
Schubladen einzuteilen.
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Hat das Universum entschieden, welche Katze mehr wert ist?
Hat das Universum jemals entschieden, dass das Leben einer Hauskatze oder eines Hauskaters weniger wert sein
soll als das Leben einer gezüchteten Katze oder eines Rassekaters?
Ich glaube nicht.
Und hat die Erde diese Einteilung vorgenommen?
Auch nicht.
Die Natur schreibt keiner Katze einen Stammbaum und hängt ihr anschließend ein Preisschild um den
Hals.
Diese Unterschiede haben wir Menschen geschaffen.
Wir sprechen von Hauskatzen, Rassekatzen, Zuchtlinien, Stammbäumen und besonderen Merkmalen. Wir bestimmen
Preise und entscheiden, dass für das eine Tier vielleicht sehr viel Geld bezahlt wird, während ein anderes Tier im Tierheim darauf wartet, überhaupt ein Zuhause zu bekommen.
Natürlich kann Zucht bestimmte Merkmale hervorbringen. Katzen können sich in Aussehen, Fell, Körperbau,
Verhalten und Abstammung unterscheiden.
Aber daraus entsteht eine ganz andere Frage:
Macht ein höherer Kaufpreis auch das Leben selbst wertvoller?
Eine gewöhnliche Hauskatze kann Schmerzen empfinden.
Eine Rassekatze kann Schmerzen empfinden.
Eine Hauskatze kann Vertrauen entwickeln.
Eine Rassekatze kann Vertrauen entwickeln.
Beide können spielen, sich fürchten, Nähe suchen, krank werden und auf ihre Umgebung
reagieren.
Und beide gehören zur Tierwelt dieser Erde.
Der Preis stammt vom Menschen – das Leben nicht
Genau diese Unterscheidung finde ich wichtig.
Ein Mensch kann einer bestimmten Katzenrasse einen Marktwert geben.
Er kann sagen:
„Für dieses Tier bezahle ich 1.000 Euro.“
Für eine andere Katze vielleicht nur eine geringe Schutzgebühr.
Aber damit hat der Mensch einen wirtschaftlichen Preis festgelegt.
Er hat nicht den Wert des Lebens bestimmt.
Preis und Lebenswert sind nicht dasselbe.
Vielleicht sollten wir deshalb häufiger aufpassen, dass unsere künstlichen menschlichen Bewertungen nicht
irgendwann so selbstverständlich werden, dass wir glauben, die Natur hätte diese Hierarchie selbst geschaffen.
Denn eine Katze weiß nicht, ob in ihren Papieren eine berühmte Zuchtlinie steht.
Sie lebt.
Sie nimmt ihre Umgebung auf ihre Art wahr.
Sie braucht Nahrung, Schutz und einen verantwortungsvollen Umgang.
Und wenn sie Vertrauen zu einem Menschen entwickelt, fragt sie vorher nicht nach dessen gesellschaftlichem
Rang.
Warum spricht der Mensch dem einen mehr Wert zu?
Das ist für mich die entscheidende Frage.
Warum stellen wir innerhalb des Lebens immer wieder solche Rangordnungen auf?
Warum wird etwas plötzlich besonders wertvoll, weil es selten, teuer oder gesellschaftlich begehrt
ist?
Natürlich dürfen Menschen unterschiedliche Katzen besonders schön finden. Jemand darf sich für eine bestimmte
Rasse interessieren.
Aber daraus sollte niemals folgen:
„Dieses Leben ist mehr wert als das andere.“
Denn zwischen Universum und Erde begann das Leben nicht mit einem Preisschild.
Unsere Preise, Stammbäume und gesellschaftlichen Bewertungen kamen erst später.
Darum würde ich einer Hauskatze niemals sagen:
„Du bist weniger wert, weil für dich niemand Tausende Euro bezahlt hat.“
Ihr Leben besitzt keinen geringeren Anspruch darauf, respektvoll behandelt zu werden.
Vielleicht sollten wir Menschen deshalb wieder lernen, zwei Dinge auseinanderzuhalten:
Wir können Dingen und Tieren unterschiedliche Preise geben – aber daraus sollten wir keine
unterschiedliche Würde des Lebens machen.
Eine Hauskatze bleibt Leben.
Eine Rassekatze bleibt Leben.
Ein Hauskater bleibt Leben.
Ein Rassekater bleibt Leben.
Und bevor wir Menschen angefangen haben, sie in unsere künstlichen Kategorien einzuteilen, gehörten sie
längst gemeinsam zur großen Geschichte des Lebens auf dieser Erde.
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Ein Abschluss bestimmt nicht den Wert eines Lebens
Jeder Mensch, dem Lernen schwerfällt und der manchmal darunter leidet, sollte sich eines bewusst
machen:
Nicht das Universum hat entschieden, dass du weniger wert bist.
Nicht die Erde hat entschieden, dass du weniger wert bist.
Diese Bewertungen entstehen innerhalb der von Menschen geschaffenen Systeme.
Wir haben Schulen aufgebaut.
Wir haben Prüfungen geschaffen.
Wir haben Zeugnisse entwickelt.
Wir haben Abschlüsse festgelegt.
Und wir haben anschließend angefangen, Menschen danach einzuteilen, welchen dieser Abschlüsse sie erreichen
konnten.
Natürlich brauchen wir Bildung.
Natürlich brauchen bestimmte Berufe Fachwissen und Qualifikationen.
Und natürlich kann ein Abschluss zeigen, dass jemand bestimmte Kenntnisse erworben und Prüfungen bestanden
hat.
Aber ein Abschluss beantwortet eine ganz andere Frage nicht:
Wie viel ist dieser Mensch als Leben wert?
Das Leben beginnt nicht mit einem Zeugnis
Kein Kind kommt mit einem Schulabschluss auf die Welt.
Das Universum fragt bei seiner Geburt nicht:
„Welche Ausbildung wirst du einmal besitzen?“
Die Erde fragt nicht:
„Wirst du später studieren?“
Und die Fruchtbarkeit des Lebens sagt nicht:
„Du darfst nur entstehen, wenn du später Mathematik, Rechtschreibung und alle schulischen Anforderungen
beherrschst.“
Zuerst entsteht Leben.
Erst sehr viel später begegnet dieses Leben unseren künstlich geschaffenen gesellschaftlichen
Maßstäben.
Und dann stellen wir plötzlich fest:
Der eine Mensch kann sich hervorragend innerhalb dieser Muster bewegen.
Ein anderer braucht Unterstützung.
Ein Dritter wird bestimmte Anforderungen vielleicht niemals erfüllen können.
Aber warum sollte dadurch sein Leben weniger wert werden?
Der Abschluss ist eine menschliche Festlegung
Manchmal könnte man fast darüber lachen:
„Kannst du den richtigen Abschluss nicht vorlegen, bist du plötzlich nichts mehr
wert.“
Ha, ha, ha – was für eine merkwürdige Vorstellung!
Denn weder Universum noch Erde kennen unsere Abschlusszeugnisse.
Wir Menschen haben sie erfunden.
Das bedeutet nicht, dass sie unnötig sind. Ein Arzt beispielsweise braucht selbstverständlich eine
entsprechende Ausbildung, bevor er Menschen behandeln darf.
Aber wir dürfen aus einer notwendigen beruflichen Qualifikation keine allgemeine Rangordnung des menschlichen
Lebens machen.
Ein Mensch ohne Studium kann ein wundervoller Handwerker sein.
Ein Mensch ohne hohen Schulabschluss kann hervorragend mit Tieren umgehen.
Ein anderer besitzt vielleicht musikalische Fähigkeiten.
Jemand kann praktisch denken.
Jemand kann besonders sozial handeln.
Und manche Menschen besitzen Fähigkeiten, für die überhaupt kein Zeugnis ausgestellt wird.
Ohne die Grundlagen des Lebens macht niemand einen Abschluss
Und dann kommt für mich der vielleicht lustigste Widerspruch:
Manchmal stellen wir unsere künstliche Bildungswelt so weit nach oben, als hätte sie das Leben überhaupt erst
hervorgebracht.
Dabei gilt genau das Gegenteil.
Ohne Universum und Erde macht niemand einen Abschluss.
Ohne Luft schreibt niemand eine Prüfung.
Ohne Wasser besucht niemand eine Universität.
Ohne Nahrung arbeitet kein Professor.
Und ohne die Fruchtbarkeit des Lebens gäbe es weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrerinnen und Lehrer,
Universitäten oder Akademiker.
Unsere künstliche Welt kann erst entstehen, weil das Leben vorher schon da
ist.
Deshalb sollte ein Mensch, dem Lernen schwerfällt, niemals glauben:
„Weil ich innerhalb dieses Systems Schwierigkeiten habe, bin ich als Mensch weniger
wert.“
Nein.
Vielleicht brauchst du andere Wege.
Vielleicht brauchst du Unterstützung.
Vielleicht wirst du bestimmte Abschlüsse nicht erreichen.
Aber ein Zeugnis beschreibt bestimmte erworbene Leistungen.
Es ist kein Urteil über den Wert deines Lebens.
Unsere künstlichen Systeme dürfen Fähigkeiten beurteilen, wo dies notwendig ist.
Aber sie sollten niemals vergessen, auf welchem Fundament sie überhaupt stehen:
Zuerst kommt das Leben.
Dann kommen unsere menschlichen Systeme.
Nicht andersherum.
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Was ist mit uns Menschen los, wenn wir nur noch zusehen?
Manchmal frage ich mich wirklich:
Was ist eigentlich mit uns Menschen los?
Ich habe in letzter Zeit Situationen erlebt, die mich genau darüber nachdenken lassen.
Ich war in einem Zug und sah, wie ein Mann einem anderen Menschen immer wieder mit den Füßen gegen den Kopf
trat.
Andere standen herum.
Sie sahen zu.
Und ich schrie:
„Hör auf! Du wirst noch zum Mörder!“
Denn wer einem Menschen immer wieder gegen den Kopf tritt, kann ihn schwer verletzen oder sogar
töten.
Darauf bekam ich sinngemäß die Antwort:
„Das hat er sich doch selbst zuzuschreiben. Er hat hier das Bier über die Menschen
geschüttet.“
Aber was ist das für eine Antwort?
Natürlich war es ebenfalls nicht in Ordnung, andere Menschen mit Bier zu überschütten und sich betrunken
daneben zu benehmen.
Aber rechtfertigt eine falsche Handlung die nächste, viel gefährlichere
Handlung?
Wenn ein Mensch etwas Unmögliches tut, gibt das einem anderen doch nicht das Recht, ihn möglicherweise
totzutreten.
Wo hört unsere Verantwortung füreinander auf?
Und warum griff niemand ein?
Dabei bedeutet Eingreifen nicht unbedingt, sich selbst körperlich in einen gefährlichen Kampf zu werfen. Man
kann Abstand halten, andere gezielt ansprechen, Personal oder Polizei alarmieren und versuchen, weitere Gewalt zu verhindern.
Aber einfach nur zuzusehen?
Das konnte ich nicht.
Die brennende Mülltonne
Ein anderes Mal brannte eine Mülltonne.
Menschen gingen daran vorbei.
Einige Jugendliche kamen hinzu, und nach meiner Wahrnehmung wurde sogar Flüssigkeit aus Flaschen
hineingeschüttet, die wie Alkohol wirkte.
Auch das hätte gefährlich werden können.
Als ich die Situation aufnahm, wurde ich dafür noch beschimpft.
Gleichzeitig versuchte ich aber, etwas zu unternehmen und Wasser zu organisieren.
Und dann wurde mir gesagt:
„Dafür ist die Feuerwehr zuständig.“
Natürlich ist bei einem gefährlichen oder nicht sicher beherrschbaren Brand die Feuerwehr
zuständig.
Aber bedeutet das, dass wir Menschen überhaupt nichts mehr tun sollen?
Bei einem kleinen Entstehungsbrand kann man – sofern es gefahrlos möglich und das Löschmittel geeignet ist –
helfen. Bei Gefahr müssen wir Abstand halten und die Feuerwehr alarmieren.
Entscheidend ist für mich die Haltung:
Sehe ich eine Gefahr und denke wenigstens darüber nach, wie ich helfen
kann?
Oder gehe ich einfach weiter, weil irgendeine Institution schon zuständig sein wird?
Und dann liegen Tiere am Straßenrand
Dasselbe frage ich mich bei Tieren.
Autos fahren vorbei.
Menschen sehen vielleicht ein verletztes Tier.
Und trotzdem fährt einer nach dem anderen weiter.
Kann nicht wenigstens jemand an einem sicheren Ort anhalten und schauen, ob Hilfe organisiert werden
kann?
Ich habe selbst schon ein Tier mitgenommen und mich darum gekümmert.
Und ein Erlebnis mit meinen Kindern ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Neben einer Mülltonne fanden wir ein schwer krankes Kätzchen.
Jemand hatte es dort zurückgelassen.
Vielleicht wollte dieser Mensch nicht selbst die Entscheidung treffen, das Tier einschläfern zu
lassen.
Aber dadurch verschwand das Leiden des Tieres doch nicht.
Nur weil ich wegsehe, hört ein anderes Lebewesen nicht auf zu leiden.
Wir nahmen das Kätzchen mit.
Zur gleichen Zeit hatten wir auch eine Taube dabei, die nicht mehr fliegen konnte.
Wir fuhren mit den Tieren zum Tierarzt.
Für das Kätzchen konnte leider nichts mehr getan werden. Es musste eingeschläfert werden.
Die Taube dagegen konnte gerettet werden.
Und genau daran sieht man:
Wir wissen vorher manchmal gar nicht, ob unsere Hilfe noch etwas verändern
kann.
Aber wenn wir überhaupt nichts unternehmen, geben wir diese Möglichkeit von vornherein auf.
Und dann diskutieren wir darüber, wer die größte Intelligenz besitzt
Danach höre ich Diskussionen darüber, dass künstliche Intelligenz uns Menschen angeblich unsere Klugheit
wegnehmen könnte.
Und dann muss ich manchmal fragen:
Welche Klugheit meinen wir eigentlich?
Wie viele Bücher existieren, die ein einzelner Mensch niemals gelesen hat?
Wie viel Wissen befindet sich in Bibliotheken, das keiner von uns vollständig aufnehmen
könnte?
Wie viele Erfahrungen besitzen andere Menschen, die ich niemals selbst gemacht habe?
Ein Mensch besitzt Wissen.
Ein Buch kann Wissen weitertragen.
Und eine künstliche Intelligenz kann große Mengen menschlich erzeugter Informationen verarbeiten und daraus
Antworten bilden.
Warum sollte mich grundsätzlich stören, dass jemand oder etwas in einem bestimmten Bereich mehr weiß als
ich?
Mich stört nicht, dass eine KI etwas weiß, was ich nicht weiß.
Genauso wenig stört mich, wenn ein anderer Mensch etwas besser kann als ich.
Ich möchte daraus nur keine neue Rangordnung machen.
Nicht:
„Ich weiß mehr, deshalb bin ich mehr wert.“
Nicht:
„Du hast einen höheren Abschluss, deshalb bist du mehr wert.“
Und genauso wenig:
„Eine KI kann mehr Informationen verarbeiten, deshalb ist der Mensch nichts mehr wert.“
Wissen ist nicht dasselbe wie verantwortliches Handeln
Vielleicht liegt genau dort unser Denkfehler.
Wir sprechen so viel über Intelligenz.
Aber Intelligenz allein beantwortet noch nicht die Frage, wie wir miteinander
umgehen.
Ein Mensch kann viele Bücher gelesen haben und trotzdem an einem Hilfsbedürftigen
vorbeigehen.
Ein anderer besitzt vielleicht kaum Schulbildung und bleibt stehen.
Wer von beiden hat in diesem Augenblick das wichtigere Wissen umgesetzt?
Für mich geht es deshalb nicht darum, Menschen, Bücher und künstliche Intelligenz gegeneinander antreten zu
lassen.
Jeder kann etwas beitragen.
Menschen besitzen Erfahrungen, Fähigkeiten und Wissen.
Bücher bewahren Gedanken über Generationen hinweg.
KI kann Informationen verbinden und Menschen bei unterschiedlichen Aufgaben unterstützen.
Das alles darf nebeneinander bestehen.
Solange wir daraus keine Spaltung machen.
Solange wir nicht ständig sagen müssen:
„Du bist besser als ich.“
„Ich bin wertvoller als du.“
„Meine Bildung steht über deiner.“
„Meine Intelligenz gibt mir das Recht, dich kleinzumachen.“
Darauf kommt es für mich nicht an.
Mich interessiert etwas anderes:
Wie gehen wir zwischen Universum und Erde mit dem Leben um, das uns
begegnet?
Was machen wir, wenn ein Mensch am Boden liegt?
Was machen wir, wenn ein Tier leidet?
Was machen wir, wenn irgendwo eine Gefahr entsteht?
Schauen wir weg?
Oder versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen, ohne uns selbst unnötig in Gefahr zu
bringen?
Vielleicht zeigt sich eine wichtige Form von Intelligenz gerade dort:
nicht darin, wie viel ein Mensch weiß, sondern darin, ob er sein Wissen, seine Möglichkeiten und
seine Menschlichkeit auch dann einsetzt, wenn ein anderes Leben ihn braucht.
Denn am Ende interessiert mich nicht, wer sich zum intelligentesten Wesen zwischen Universum und Erde
erklärt.
Mich interessiert:
Was machen wir mit unserer Intelligenz?
Nutzen wir sie, um uns übereinanderzustellen?
Oder nutzen wir sie, um aufeinander aufzupassen?
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