Liebe Grüße und alles Gute auf den Wegen der Zeit.
Dazu gehört natürlich auch die Gesundheit, wenn sich unsere Wege für die unterschiedlichsten Situationen des
Lebens öffnen.
Ich wünsche mir Frieden und Gemeinschaft und eine gute Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft – eine
Gestaltung, bei der wir auch diejenigen mitnehmen, die schwächer sind oder weniger Möglichkeiten besitzen.
Denn zwischen all den Augenblicken, die wir gemeinsam gestalten, dürfen wir eines nicht
vergessen:
Nicht jeder lebt auf großem Fuß. Nicht jeder kann sich alles leisten.
Darum müssen wir auch an diejenigen denken, die immer wieder im Schatten stehen, und ihnen ein Licht
geben.
Denn auch sie haben ihr Leben.
Nicht nur diejenigen, die glänzen und ganz vorne stehen, brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung. Eine gute
Gemeinschaft zeigt sich gerade darin, dass auch der Mensch gesehen wird, der vielleicht niemals im Rampenlicht stehen wird.
Ein gutes Gleichgewicht stärkt das Lebenslicht.
Zwischen Universum und Erde bewegt sich das Leben im besonderen Reigen der Zeit.
Durch die Fruchtbarkeit geboren, beginnt es in Samen und Ei und zeigt uns bis heute, woher jedes neue
menschliche Leben seinen Anfang nimmt.
Aus diesem Ursprung entwickelt sich ein Mensch mit seinem eigenen Weg, seinen Möglichkeiten und seinen
Grenzen.
Ob dieser Mensch später reich oder arm wird, bekannt oder unbekannt bleibt, im Rampenlicht steht oder still
im Hintergrund lebt, verändert diesen gemeinsamen Ursprung nicht.
Darum sollten wir nicht nur denen Licht geben, die bereits glänzen.
Wir sollten besonders darauf achten, dass diejenigen nicht im Dunkeln bleiben, deren Licht sonst kaum jemand sieht.
Denn jedes Lebenslicht gehört zu unserer gemeinsamen Welt.
Frieden braucht Gemeinschaft.
Gemeinschaft braucht Gleichgewicht.
Und Gleichgewicht bedeutet, auch die Menschen mitzunehmen, die nicht alles haben.
Werbung kann sinnvoll sein, und auch ein Unternehmen darf Gewinne machen und wachsen.
Doch bevor immer mehr Geld in Werbung, Börse und weiteres Wachstum fließt, sollte eine wichtige Frage
gestellt werden:
Wie nehme ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit?
Wie werde ich den Menschen gerecht, die diesen Erfolg überhaupt erst möglich machen?
Wenn an vielen Stellen immer mehr Geld abgeschöpft wird, während bei den Menschen selbst immer weniger
ankommt, kann das auf Dauer nicht funktionieren.
Denn auch Unternehmen brauchen Menschen, die von ihrer Arbeit gut leben können und genügend Geld haben, um am
wirtschaftlichen Leben teilzunehmen.
Darum sollte die Reihenfolge sein:
Erst den Menschen gerecht werden.
Dann über weiteres Wachstum, Werbung und Börse nachdenken.
Denn eine Wirtschaft kann auf Dauer nur funktionieren, wenn nicht wenige immer mehr abschöpfen und viele
dafür immer weniger in der Tasche haben.
Wirtschaft braucht Gewinn – aber sie braucht genauso Verantwortung und Menschen, die an ihrem eigenen
Beitrag zum Erfolg teilhaben.
Warum können wir anderen Menschen ihren Erfolg nicht gönnen?
Wer Musik macht, Sport treibt oder auf einer großen Bühne steht, übt ebenso einen Beruf aus wie Menschen in
vielen anderen Bereichen unserer Arbeitswelt.
Kein Beruf macht einen Menschen mehr wert als einen anderen.
Vielleicht würde unsere Arbeitswelt sogar gesünder werden, wenn wir aufhören würden, manche Tätigkeiten auf
ein Podest zu stellen und andere abzuwerten. Denn dadurch entsteht eine Spaltung, bei der Menschen das Gefühl bekommen können, ihre eigene Arbeit sei weniger wert.
Wer mit seiner Musik erfolgreich ist, soll seine Musik machen dürfen. Wer einen anderen Beruf liebt, soll
auch darin Anerkennung erfahren.
Ich habe nichts gegen Reichtum oder Bekanntheit. Menschen dürfen erfolgreich sein und sich über das freuen,
was sie erreicht haben.
Aber auf negative Spaltungen habe ich keine Lust. Denn wenn wir Menschen aufgrund ihres
Berufes, ihres Erfolges oder ihres Einkommens gesellschaftlich unterschiedlich bewerten, schaffen wir Probleme, die wir eigentlich gar nicht haben müssten.
Erfolg und unterschiedliche Lebenswege dürfen niemals ein Grund dafür werden, einen anderen Menschen
abzuwerten, anzugreifen oder ihm sogar das Leben zu nehmen.
Gönnen wir einander unsere unterschiedlichen Wege, ohne daraus einen unterschiedlichen Wert des
Menschen zu machen.
Eine gesunde Gesellschaft braucht keine Rangordnung des menschlichen Wertes. Sie braucht Anerkennung, Respekt
und das Bewusstsein, dass ganz unterschiedliche Arbeiten gemeinsam unsere Gesellschaft tragen.
Mit der Öffnung der Grenzen und der deutschen Einheit wurde unter Michail Gorbatschow eine historische
Möglichkeit geschaffen. Nach Jahrzehnten der Teilung konnten Menschen wieder zusammenkommen, und es entstand die Hoffnung auf ein Europa, in dem Ost und West gemeinsam und friedlich miteinander
leben.
Zu dieser Geschichte gehört für mich auch, dass sich der Warschauer Pakt 1991 auflöste, während die NATO
bestehen blieb und später immer weiter nach Osten erweitert wurde.
Man kann darüber streiten, welche politischen Zusagen damals genau gemacht wurden und welche davon rechtlich
verbindlich waren. Aber unabhängig davon muss die Frage erlaubt sein, ob es für den dauerhaften Frieden wirklich klug war, nach dem Ende des Kalten Krieges wieder Sicherheitsstrukturen entstehen zu
lassen, die Russland zunehmend als gegen sich gerichtet wahrnahm.
Das bedeutet für mich jedoch nicht, den russischen Angriff auf die Ukraine zu rechtfertigen. Kein politischer
Konflikt und keine Vorgeschichte machen das Leid der Menschen weniger schrecklich. Russland trägt Verantwortung für seine militärischen Entscheidungen, genauso wie die Entscheidungen anderer
Regierungen kritisch betrachtet werden dürfen.
Gerade deshalb hätte viel früher und viel stärker nach einer gemeinsamen europäischen Sicherheitsordnung
gesucht werden müssen, in der Russland, die Ukraine, Deutschland, die USA und die übrigen europäischen Staaten miteinander reden, statt sich immer weiter gegeneinander aufzurüsten.
Heute sind vor allem die Menschen die Leidtragenden. Ukrainerinnen und Ukrainer verlieren Angehörige, ihre
Wohnungen und ihre Heimat. Auch russische Familien verlieren Menschen. Das zeigt, wohin es führen kann, wenn politische Gegensätze schließlich mit Waffen ausgetragen werden.
Für mich darf die Antwort darauf nicht lauten, Menschen aufgrund ihrer Nationalität auszugrenzen. Ein
russischer Mensch ist nicht mit der russischen Regierung gleichzusetzen, genauso wenig wie ein amerikanischer, deutscher oder ukrainischer Mensch für sämtliche Entscheidungen seiner Regierung
verantwortlich ist.
Auch die deutsche Geschichte nach 1990 sollten wir offen diskutieren dürfen. Die DDR trat nach dem damaligen
Verfahren dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Deshalb sprechen manche Menschen politisch von einer „Übernahme“, während staatsrechtlich die deutsche Einheit durch den Beitritt der DDR zur
Bundesrepublik vollzogen wurde. Solche unterschiedlichen Sichtweisen gehören zu einer demokratischen Auseinandersetzung.
Und für mich gehört noch etwas zu einer friedlichen Gesellschaft: die Wertschätzung der Menschen, die sie mit
ihrer täglichen Arbeit tragen.
Arbeiterinnen und Arbeiter, Bäuerinnen und Bauern, Pflegekräfte, Handwerker, Reinigungskräfte und viele
andere Menschen bilden wesentliche Grundlagen unserer Wirtschaft. Künstler, Musiker, Sportler oder bekannte Persönlichkeiten dürfen erfolgreich sein und viel erreichen – aber ihr Erfolg macht ihr
Leben nicht wertvoller als das Leben anderer Menschen.
Wir brauchen keine neue Spaltung – weder zwischen Ost und West noch zwischen Nationen oder
unterschiedlichen Berufsgruppen.
Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Erfolg möglich ist, Arbeit Anerkennung bekommt und unterschiedliche
Menschen denselben menschlichen Wert behalten.
Und international brauchen wir endlich wieder mehr von dem, was nach dem Ende des Kalten Krieges einmal
möglich erschien:
Nicht immer neue Feindbilder und immer mehr Waffen, sondern Gespräche, gegenseitige Sicherheit und
den ernsthaften Willen, miteinander in Frieden zu leben.
Manchmal können wir gesellschaftliche Spaltung kaum noch erkennen, weil wir uns bereits so sehr an sie
gewöhnt haben.
Abwertung entsteht überall dort, wo Menschen sich über andere Menschen stellen und ihnen das Gefühl
vermitteln, weniger wert zu sein.
Viele Menschen kämpfen dann nicht gegen die Gesellschaft selbst. Sie kämpfen gegen diese Spaltungen, weil sie
nicht immer weiter ausgegrenzt und an den Rand gedrängt werden wollen.
Wir sollten deshalb nicht diejenigen zum Problem erklären, die sich gegen Ausgrenzung wehren. Wir
sollten uns fragen, wodurch die Ausgrenzung überhaupt entstanden ist.
Kein Mensch muss über einem anderen stehen, damit sein eigenes Leben einen Wert besitzt.
Weniger Spaltung beginnt dort, wo wir aufhören, den Wert von Menschen unterschiedlich zu
bemessen.
Wenn Menschen Steuern, Beiträge oder andere verpflichtende Abgaben bezahlen, dann muss transparent und
verantwortungsvoll damit umgegangen werden.
Dasselbe gilt für Sponsoring. Werbung und Sponsoring können sinnvoll sein. Aber wir sollten immer fragen
dürfen:
Wer bezahlt am Ende dafür – und wer profitiert davon?
Es darf nicht selbstverständlich werden, dass viele Menschen immer höhere Belastungen tragen, während an
anderer Stelle einzelne Personen, Unternehmen oder Organisationen außergewöhnlich hohe Summen erhalten.
Gerade bei öffentlichen Geldern und verpflichtenden Beiträgen braucht es Transparenz. Menschen müssen
nachvollziehen können, wofür ihr Geld verwendet wird und warum eine Ausgabe notwendig und angemessen ist.
Auch bei Krankenkassen wünsche ich mir eine klare Priorität: Beiträge der Versicherten sollen in erster Linie
einer guten gesundheitlichen Versorgung und den gesetzlich vorgesehenen Aufgaben dienen. Wenn daneben Geld für Werbung oder Sponsoring ausgegeben wird, muss besonders sorgfältig geprüft werden, ob
Umfang und Zweck gerechtfertigt sind.
Dabei geht es mir nicht darum, jeden Menschen zu verurteilen, der erfolgreich ist oder viel
verdient.
Es gibt auch in verantwortungsvollen und einflussreichen Positionen viele Menschen, die Missstände erkennen,
sie kritisieren und versuchen, etwas zu verbessern. Diese Menschen möchte ich ausdrücklich nicht mit denen gleichsetzen, deren Verhalten ich kritisiere.
Mein Problem beginnt dort, wo Macht dazu führt, dass sich Menschen über andere stellen und gemeinschaftliche
Mittel zunehmend als etwas behandeln, über das nur wenige bestimmen.
Eine demokratische Gesellschaft sollte genau das Gegenteil anstreben:
Je größer die Verantwortung und je größer die Summe, über die entschieden wird, desto größer müssen
Transparenz, Kontrolle und Verantwortung gegenüber den Menschen sein, die dieses Geld erwirtschaften und einzahlen.
Nicht Luxus und gesellschaftlicher Rang sollten darüber entscheiden, wer gehört wird.
Das Geld vieler Menschen verlangt Verantwortung gegenüber vielen Menschen.