Liebe Grüße und alles Gute auf den Wegen der Zeit.
Vor allem wünsche ich natürlich Gesundheit.
Doch auch Gesundheit kann dort Schaden nehmen, wo kriegerische Situationen entstehen und sich immer weiter ausbreiten.
Krieg hinterlässt seine Folgen nicht nur auf einem Schlachtfeld. Er erreicht die Menschen, ihre Familien und ihre Lebensgrundlagen. Er
kann körperliche und seelische Gesundheit beeinträchtigen, medizinische Versorgung erschweren und die Umwelt belasten.
Deshalb sollten wir in jeder Hinsicht darauf achten, dass kriegerische Situationen nicht immer weitergeführt und ausgeweitet werden,
sondern dass immer wieder versucht wird, sie so schnell wie möglich zu überwinden.
Denn wer das Leben schützen möchte, muss auch den Frieden suchen.
Frieden kann dazu beitragen, Voraussetzungen zu schaffen, unter denen Menschen wieder gesund leben, Kinder ohne die unmittelbare Angst
vor Krieg aufwachsen und Gemeinschaften ihre Zukunft gestalten können.
Und auch der Schutz unserer Umwelt gehört für mich dazu.
Kriegerische Zerstörung kann Böden, Wasser, Luft, Natur und Lebensräume belasten. Deshalb sollten Frieden, Gesundheit sowie Umwelt- und
Klimaschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Sie gehören für mich zu einer gemeinsamen Verantwortung für das Leben.
Lasst uns deshalb nicht nur darüber sprechen, was wir schützen wollen.
Lasst uns auch darüber nachdenken, welche Ursachen diesen Schutz immer wieder gefährden.
Wo Krieg herrscht, sollten Wege zum Frieden gesucht werden.
Wo Menschen nicht mehr miteinander sprechen, sollten neue Gespräche möglich werden.
Und wo das Leben gefährdet ist, sollte die Vernunft wieder stärker die Richtung bestimmen.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen freundlichen Freitag – soweit dies unter den gegenwärtigen Umständen möglich
ist.
Mit dem Wunsch nach Gesundheit, Menschlichkeit, Vernunft und vor allem nach Wegen, auf denen wieder mehr Frieden entstehen
kann.
**Denn Frieden schützt nicht nur Grenzen.
Frieden schützt Leben.
Frieden schützt Gesundheit.
Und Frieden hilft dabei, unsere gemeinsame Erde für die kommenden Generationen zu bewahren.** ♥️?️??
**Im Herzen der Zeit**
Im Herzen der Zeit, in der wir alle getragen sind, gibt es stets Strömungen, die in verschiedene Richtungen ziehen. Doch möge, trotz all
dieser Bewegungen, immer wieder ein Bild der Stabilität das Herz betreten – ein Bild, das von innerer Liebe getragen ist.
Wenn die Stürme toben und die Wege ungewiss scheinen, soll aus dem tiefsten Inneren ein Bild des Friedens erwachen. Ein Frieden, der uns
daran erinnert, dass es möglich ist, die Zeit mit all ihren Herausforderungen zu verstehen und sie zu unserem Verbündeten zu machen.
In diesem inneren Frieden liegt die Kraft, die Zeit zu begleiten, sie zu lenken und sie schließlich wieder zum Guten zu wenden. Es ist
die Liebe in uns, die diesen Weg zeigt – ein Weg, der inmitten der Strömungen und Ungewissheiten zu einem Ort des Gleichgewichts führt. Möge die Zeit dieses Bild immer mit sich tragen und uns alle
daran erinnern, dass Stabilität und Frieden in uns selbst beginnen.
Das Kind und das Beet des Friedens
Es war ein kalter Morgen.
Nicht nur der Winter hatte sich über die Landschaft gelegt. Auch zwischen den Menschen schien es kalt geworden zu sein.
Überall wurde gesprochen.
Über Grenzen.
Über Waffen.
Über Stärke.
Über Siege und Niederlagen.
Über Staaten und Interessen.
Doch viel zu selten, so empfand es ein kleines Kind, wurde über diejenigen gesprochen, die am Ende all diese Entscheidungen tragen
mussten.
Das Kind stand auf einem großen Platz.
Um es herum gingen Erwachsene hastig ihrer Wege. Kameras waren aufgebaut. Politikerinnen und Politiker kamen aus einem großen Gebäude.
Reporter stellten Fragen, und überall waren Stimmen zu hören.
Das Kind aber sagte zunächst nichts.
Es hielt eine kleine Blume in der Hand.
Die Blume war noch geschlossen.
Ein Politiker bemerkte das Kind und blieb stehen.
Das Kind schaute ihn mit traurigen Augen an.
Dann fragte es:
„Warum schickt ihr Menschen in den Tod?“
Plötzlich schien der ganze Platz still zu werden.
Der Politiker wollte antworten.
Er wollte über Sicherheit sprechen.
Über Verteidigung.
Über Verantwortung.
Über schwierige Entscheidungen.
Doch das Kind schaute ihn weiterhin an.
„Ich verstehe eure großen Wörter nicht“, sagte es.
„Ich weiß nur, dass irgendwo ein anderes Kind sitzt und Angst hat.“
Der Politiker schwieg.
Das Kind zeigte auf seine kleine Blume.
„Meine Lehrerin hat gesagt, dass eine Pflanze Wasser, Erde und Licht braucht, damit sie wachsen kann.“
Dann sah es wieder zu dem Politiker.
„Was braucht eigentlich Frieden, damit er wachsen kann?“
Der Politiker wusste zunächst keine Antwort.
Da ging das Kind ein paar Schritte weiter.
Auf dem Platz standen noch andere politisch Verantwortliche. Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, aus unterschiedlichen Ländern
und mit unterschiedlichen Sprachen.
Das Kind stellte ihnen dieselbe Frage:
„Was braucht Frieden, damit er wachsen kann?“
Einer sagte: „Sicherheit.“
Eine andere sagte: „Gerechtigkeit.“
Ein weiterer sagte: „Freiheit.“
Jemand sagte: „Vertrauen.“
Und eine ältere Frau antwortete:
„Menschen, die trotz aller Unterschiede wieder miteinander sprechen.“
Das Kind dachte einen Augenblick nach.
Dann kniete es sich mitten auf den Platz.
Mit seinen kleinen Händen begann es, in der kalten Erde zu graben.
„Was machst du da?“, fragte jemand.
„Ein Beet“, antwortete das Kind.
„Mitten im Winter?“
Das Kind nickte.
„Gerade im Winter.“
Einige Menschen lächelten.
Andere schüttelten den Kopf.
Doch das Kind grub weiter.
Schließlich legte es die kleine Pflanze in die Erde.
„Das ist mein Friedensbeet“, sagte es.
„Aber eine einzige Blume verändert doch keinen Krieg“, sagte ein Mann aus der Menge.
Das Kind schaute zu ihm.
„Vielleicht nicht.“
Dann nahm es etwas Erde und bedeckte vorsichtig die Wurzeln.
„Aber wenn niemand die erste Blume pflanzt, gibt es auch niemals ein Beet.“
Nun kamen weitere Kinder.
Eines brachte einen Samen.
Ein anderes eine kleine Gießkanne.
Ein weiteres Kind brachte ein Schild.
Darauf stand:
GESPRÄCH
Ein anderes schrieb:
MITGEFÜHL
Ein weiteres:
VERNUNFT
Und noch eines:
SCHUTZ DES LEBENS
Die Erwachsenen standen darum herum.
Menschen, die sich vorher gegenseitig angeschrien hatten, standen plötzlich am selben kleinen Beet.
Das Kind blickte zu ihnen auf.
„Ihr müsst nicht in allem einer Meinung sein“, sagte es.
„Aber könnt ihr nicht wenigstens darin einer Meinung sein, dass möglichst kein Mensch sterben soll?“
Niemand antwortete sofort.
Denn manchmal sind die einfachsten Fragen die schwersten.
Der Winter verging.
Es kamen weiterhin schlechte Nachrichten.
Es gab weiterhin Streit.
Nicht jeder legte seine Waffen nieder.
Nicht jedes Gespräch gelang.
Nicht jeder wollte zuhören.
Und Frieden entstand nicht über Nacht.
Doch auf dem großen Platz geschah etwas.
Menschen kamen immer wieder zu dem kleinen Beet.
Sie pflanzten Blumen.
Sie schrieben Wünsche auf kleine Schilder.
Sie redeten miteinander.
Manchmal stritten sie.
Aber anschließend versuchten sie erneut, miteinander zu sprechen.
Und irgendwann kam der Frühling.
Das Kind kehrte zu seinem Beet zurück.
Dort, wo Monate zuvor nur kalte Erde gewesen war, kamen die ersten grünen Spitzen hervor.
Das Kind lächelte.
Neben ihm stand wieder der Politiker, dem es damals seine erste Frage gestellt hatte.
„Jetzt weiß ich vielleicht eine Antwort auf deine zweite Frage“, sagte er.
„Welche?“
„Was Frieden zum Wachsen braucht.“
Das Kind sah ihn neugierig an.
Der Politiker kniete sich neben das Beet.
„Menschen, die ihn immer wieder versuchen.“
Das Kind nickte.
Dann zeigte es auf die vielen kleinen Pflanzen.
„Aber versucht ihn nicht erst, wenn alles zerstört ist.“
Der Politiker sah lange auf das Beet.
Das Kind nahm seine Hand.
Und gemeinsam standen sie zwischen den ersten Blumen des Frühlings.
Denn der Friede möge seine Ausrichtungskraft gerade dort finden,
wo heute noch kein Frieden ist.
Wo Gräben entstanden sind,
mögen wieder Brücken wachsen.
Wo Menschen einander nicht mehr erreichen,
möge ein erstes Gespräch beginnen.
Wo Leid die Wege überschattet,
möge wieder eine neue Richtung sichtbar werden.
Wie im Frühling nach einer langen kalten Zeit
das Leben erneut aus der Erde hervortritt,
möge auch zwischen den Menschen
ein neues Erwachen beginnen.
Mögen neue Gedanken ihre Wurzeln schlagen.
Mögen Verständigung und Mitgefühl wachsen.
Und wo heute noch Unfrieden herrscht,
möge morgen ein erster Keim des Friedens entstehen.
Denn vielleicht beginnt Frieden manchmal tatsächlich ganz klein:
mit einer ausgestreckten Hand,
mit einem ersten Gespräch,
mit einem Menschen, der den anderen wieder als Menschen erkennt,
oder mit einem Kind, das mit traurigen Augen vor den Mächtigen dieser Welt steht und eine Frage stellt, die niemand vergessen
sollte:
„Warum schickt ihr Menschen in den Tod, wenn ihr auch nach Wegen suchen könnt, das Leben zu schützen?“
Und aus diesem kleinen Anfang möge eines Tages wieder etwas Großes erblühen:
Frieden für das Leben –
zwischen den Menschen,
zwischen Himmel und Erde
und auf den Wegen unserer gemeinsamen Zeit
Dass es auch anders gehen kann, zeigen für mich einige Unternehmen im Einzelhandel.
Wenn Unternehmen wie Lidl oder NORMA freiwillig einen Mindesteinstiegslohn von 15 Euro brutto pro Stunde zahlen, dann sage ich zunächst
einmal: Alle Achtung.
Denn damit wird gezeigt, dass ein Unternehmen nicht immer nur darauf warten muss, bis der Staat einen höheren gesetzlichen Mindestlohn
vorschreibt.
Unternehmen können selbst entscheiden, ihre Beschäftigten stärker am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen.
Natürlich kann man nicht jedes Unternehmen miteinander vergleichen. Ein kleiner Familienbetrieb besitzt andere wirtschaftliche
Möglichkeiten als ein großer Handelskonzern. Deshalb möchte ich auch hier nicht pauschalisieren.
Aber gerade bei großen und wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen dürfen wir meiner Meinung nach genauer hinschauen.
Wenn genügend Geld für Werbung, Expansion, Unternehmensgewinne und andere große Ausgaben vorhanden ist, dann darf auch die Frage gestellt
werden:
Wie viel davon kommt bei den Menschen an, die jeden Tag die eigentliche Arbeit leisten?
Menschen räumen Regale ein.
Menschen sitzen an den Kassen.
Menschen nehmen Waren an.
Menschen reinigen die Geschäfte.
Menschen fahren die Waren zu den Filialen.
Menschen sorgen dafür, dass ein Unternehmen überhaupt funktionieren kann.
Deshalb sollte ihre Bezahlung keine Nebensache sein.
Und wenn einige große Unternehmen zeigen, dass ein Einstiegslohn von 15 Euro möglich ist, dann ist für mich vollkommen berechtigt zu
fragen, warum andere wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen bei ihren Beschäftigten wesentlich zurückhaltender sind.
Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen automatisch denselben Betrag zahlen kann.
Aber es bedeutet:
Wir sollten uns die tatsächlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten ansehen, bevor wir behaupten, eine bessere Bezahlung der
Beschäftigten sei grundsätzlich nicht finanzierbar.
Für mich gehört genau das zur gesellschaftlichen Anerkennung von Arbeit.
Anerkennung besteht nicht nur aus schönen Worten.
Sie muss sich auch darin zeigen, unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten und was sie für ihre Arbeit erhalten.
Wenn Unternehmen freiwillig vorangehen und ihren Beschäftigten mehr bezahlen, dann darf man das auch einmal ausdrücklich
anerkennen.
Denn gute Beispiele zeigen:
Es kann Möglichkeiten geben, wirtschaftlichen Erfolg und eine bessere Bezahlung der Menschen miteinander zu
verbinden.
Wenn wir heute über hohe Flüchtlingszahlen sprechen, dann möchte ich nicht immer wieder zuerst über die geflüchteten Menschen reden, als
wären sie selbst das Problem.
Wir müssen viel früher anfangen.
Wir müssen über die Ursachen sprechen, die Menschen überhaupt dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.
Natürlich gibt es unterschiedliche Formen von Migration. Menschen wandern aus wirtschaftlichen Gründen ein, wegen Arbeit, Familie,
Ausbildung oder aus vielen anderen persönlichen Gründen.
Aber davon unterscheide ich ausdrücklich Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen.
Und genau diese Fluchtbewegungen haben in den vergangenen Jahrzehnten eine bedeutende Rolle gespielt.
Deshalb sage ich:
Nicht der Flüchtling ist die Fluchtursache.
Ein Mensch wacht nicht eines Morgens auf und entscheidet sich einfach so dafür, seine Wohnung, seine Heimat, vielleicht Angehörige,
Freunde und sein bisheriges Leben zurückzulassen.
Wenn Bomben fallen, wenn Menschen verfolgt werden, wenn Gewalt herrscht und das eigene Leben oder das Leben der Familie bedroht ist,
entstehen Fluchtbewegungen.
Das haben wir in verschiedenen Teilen der Welt erlebt.
Und genau deshalb halte ich es für falsch, wenn politische Diskussionen erst dort beginnen, wo die geflüchteten Menschen bereits vor
unserer Tür stehen.
Dann wird darüber gestritten:
Wie viele Flüchtlinge können wir aufnehmen?
Wie viel kostet ihre Versorgung?
Wie viele Unterkünfte brauchen wir?
Wie können Menschen integriert werden?
Und irgendwann entsteht sogar Streit darüber, ob die geflüchteten Menschen selbst das Problem seien.
Aber wo war die Frage vorher?
Warum mussten diese Menschen überhaupt fliehen?
Wenn wir über steigende Flüchtlingszahlen sprechen, müssen wir deshalb auch über Kriege, Gewalt, Verfolgung und politische Instabilität
sprechen.
Für mich gehört dazu auch die Frage, welchen Beitrag internationale Politik leisten kann, damit bewaffnete Konflikte nicht immer weiter
eskalieren.
Ich wünsche mir, dass neben allen Fragen der Sicherheit und der Selbstverteidigung viel stärker darüber gesprochen wird, wie Diplomatie,
Vermittlung, Waffenstillstände und Friedensverhandlungen erreicht werden können.
Denn wenn Kriege andauern oder sich ausweiten, entstehen weitere Opfer.
Menschen verlieren Angehörige.
Menschen verlieren Wohnungen.
Kinder verlieren ihre gewohnte Umgebung.
Familien werden auseinandergerissen.
Und Menschen fliehen.
Dann stehen sie irgendwann an einer Grenze eines anderen Landes und werden plötzlich als „Flüchtlingsproblem“
bezeichnet.
Aber diese Menschen haben den Krieg nicht dadurch verursacht, dass sie vor ihm geflohen sind.
Sie tragen die Folgen.
Genau diese Unterscheidung ist mir wichtig.
Ich habe nichts gegen Flüchtlinge.
Ich möchte sie auch nicht gegen die Menschen ausspielen, die bereits in Deutschland leben.
Ich möchte vielmehr, dass wir endlich stärker über die Ursachen reden.
Wenn eine Gesellschaft sagt, die Zahl der Schutzsuchenden sei zu hoch, dann reicht es für mich nicht, nur darüber zu diskutieren, wie
Menschen verteilt, aufgenommen oder zurückgeschickt werden können.
Wir müssen gleichzeitig fragen:
Warum entstehen weltweit immer wieder neue Fluchtbewegungen?
Welche Kriege treiben Menschen aus ihrer Heimat?
Welche politischen und diplomatischen Möglichkeiten können helfen, diese Konflikte zu beenden?
Was kann die internationale Gemeinschaft tun, damit Menschen eines Tages wieder sicher in ihrer Heimat leben können?
Und wie können neue Kriege verhindert werden?
Genau dort beginnt für mich eine verantwortungsvolle Flüchtlingspolitik.
Flüchtlingspolitik darf nicht erst an der Grenze anfangen.
Sie muss auch Friedenspolitik und die Bekämpfung von Fluchtursachen umfassen.
Dabei behaupte ich nicht, dass jeder Krieg allein durch Deutschland beendet werden könnte. Und natürlich entscheidet nicht Deutschland
allein darüber, ob andere Staaten Krieg führen oder Frieden schließen.
Aber Deutschland und andere Staaten können sich immer wieder dafür einsetzen, diplomatische Wege offenzuhalten und Möglichkeiten für
Verhandlungen zu suchen.
Denn das eigentliche Ziel muss doch sein, dass möglichst wenige Menschen überhaupt gezwungen werden, vor Gewalt ihre Heimat zu
verlassen.
Deshalb möchte ich auch nicht, dass wir Menschen, die bereits geflohen sind, für Entwicklungen verantwortlich machen, deren Ursachen
häufig weit vor ihrer Ankunft liegen.
Wer vor einem Krieg davonläuft, hat den Krieg nicht dadurch verursacht, dass er wegläuft.
Wer Schutz sucht, hat die Fluchtbewegung nicht dadurch verursacht, dass er Schutz braucht.
Und wer mit seinen Kindern versucht, einen sicheren Ort zu erreichen, sollte nicht zum Ersatzschuldigen für politische Probleme gemacht
werden, die viel größer sind als dieser einzelne Mensch.
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir deshalb an die Ursachen heran.
**Nicht die Flüchtlinge sind die Ursache des Krieges.
Kriege, Gewalt und Verfolgung gehören zu den Ursachen dafür, dass Menschen zu Flüchtlingen werden.**
Darüber müssen wir sprechen.
Und deshalb wünsche ich mir eine Politik, die beides miteinander verbindet:
Menschen schützen, die heute unsere Hilfe brauchen – und gleichzeitig alles Verantwortbare unternehmen, damit Kriege beendet, neue
Konflikte verhindert und Fluchtursachen verringert werden.
Denn die menschlichste Flüchtlingspolitik wäre am Ende eine Welt, in der immer weniger Menschen überhaupt gezwungen wären, Flüchtlinge zu
werden.
Friedensgedanken kann ich aber vollständig erhalten:
Wir brauchen uns nicht ständig nur darüber zu streiten, ob wir für oder gegen Einwanderung sind. Wir sollten viel früher anfangen und
fragen: Warum müssen Menschen überhaupt ihre Heimat verlassen?
Natürlich gibt es unterschiedliche Formen und Ursachen von Migration. Menschen verlassen ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen, wegen
Armut oder fehlender Zukunftsperspektiven. Andere Menschen fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung oder politischer Unsicherheit.
Und genau deshalb möchte ich über die Ursachen sprechen.
Wenn Menschen vor einem Krieg fliehen, dann kann eine verantwortungsvolle Politik für mich nicht erst an der Grenze beginnen. Sie muss
sich auch die Frage stellen, wie Kriege beendet und neue Kriege verhindert werden können.
Ich habe nichts gegen Flüchtlinge.
Ich habe nichts gegen Menschen, die Schutz brauchen.
Meine Kritik richtet sich gegen eine Politik, die aus meiner Sicht zu häufig über Waffen, Aufrüstung und militärische Stärke spricht und
bei der ich mir viel stärker sichtbare diplomatische Bemühungen wünsche.
Natürlich ist die Wirklichkeit eines Krieges komplizierter als ein Streit zwischen zwei Menschen. Trotzdem möchte ich ein einfaches Bild
verwenden:
Wenn eine Lehrerin zwei Kinder vor sich hätte, die miteinander einen schweren Konflikt austragen, würden wir von ihr erwarten, dass sie
versucht, die Gewalt zu beenden. Wir würden erwarten, dass sie eingreift, schützt, vermittelt und versucht, wieder ein Gespräch möglich zu machen.
Warum erwarten wir dann von der höchsten Politik nicht ebenfalls, dass alle Möglichkeiten des Gesprächs immer wieder ausgeschöpft
werden?
Ich frage deshalb:
Wo finden die direkten Gespräche statt?
Welche Gesprächskanäle bestehen noch?
Welche Vermittler könnten eingesetzt werden?
Welche Bedingungen müssten geschaffen werden, damit aus einem Waffenstillstand schließlich ein dauerhafter Frieden entstehen
kann?
Und welche politischen Möglichkeiten wurden noch nicht ausgeschöpft?
Ich weiß, dass Gespräche mit einem Kriegsgegner außerordentlich schwierig sein können. Diplomatie bedeutet auch nicht, dessen Handlungen
gutzuheißen oder einem angegriffenen Land sein Recht auf Selbstverteidigung abzusprechen.
Aber irgendwann muss jeder Krieg an einen Punkt gelangen, an dem Menschen wieder miteinander sprechen.
Denn Waffen können kämpfen.
Waffen können aber keinen Friedensvertrag unterschreiben.
Menschen müssen das tun.
Mich beschäftigt dabei auch die Situation der Menschen, die bereits vor Kriegen geflohen sind. Wenn wir ihnen Schutz geben wollen, dann
müssen wir gleichzeitig alles Verantwortbare dafür tun, dass sich Kriege nicht auf weitere Länder ausweiten.
Was geschieht mit Flüchtlingen, wenn auch ihr Zufluchtsort irgendwann nicht mehr sicher wäre?
Was geschieht mit Kindern?
Was geschieht mit alten Menschen?
Was geschieht mit Kranken, Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen?
Was geschieht mit den Tieren?
Diese Menschen und Lebewesen können sich im Ernstfall häufig am wenigsten selbst schützen. Gerade deshalb sollte Friedenspolitik für mich
nicht nur aus großen strategischen Begriffen bestehen. Hinter jeder politischen Entscheidung stehen wirkliche Menschen und wirkliche Leben.
Auch beim Umweltschutz gehört Krieg für mich viel stärker in die Diskussion.
Kriege können Landschaften zerstören, Böden und Gewässer belasten, enorme Mengen an Ressourcen verbrauchen und Infrastruktur vernichten.
Wer über den Schutz unserer Lebensgrundlagen spricht, sollte deshalb auch über die ökologischen Folgen von Kriegen sprechen.
Ich wünsche mir daher eine Politik, in der Friedensdiplomatie niemals als Schwäche betrachtet wird.
Gespräche sind keine Kapitulation.
Verhandlungen bedeuten nicht automatisch, dass man der anderen Seite recht gibt.
Und Diplomatie bedeutet nicht, dass ein angegriffenes Land seine Sicherheit aufgeben muss.
Diplomatie bedeutet zunächst, trotz aller Gegensätze nach einem Weg zu suchen, auf dem das Töten irgendwann endet.
Deutschland kann einen solchen Krieg selbstverständlich nicht allein beenden. Auch die Ukraine, Russland, europäische Staaten, die
Vereinigten Staaten und andere internationale Akteure haben unterschiedliche Interessen, Verantwortlichkeiten und Handlungsmöglichkeiten.
Gerade deshalb wünsche ich mir, dass alle vorhandenen diplomatischen Wege genutzt werden.
Ich möchte nicht Flüchtlinge gegen Einheimische ausspielen.
Ich möchte nicht Russen gegen Ukrainer ausspielen.
Ich möchte nicht Menschen verschiedener Länder gegeneinanderstellen.
Ich möchte, dass wir stärker über die Ursachen sprechen und darüber, wie wir verhindern können, dass immer neue Menschen zu Opfern werden
oder ihre Heimat verlassen müssen.
Denn wenn wir Menschen wirklich schützen wollen, dürfen wir nicht erst über sie sprechen, nachdem sie geflohen sind.
Wir müssen auch fragen, was wir tun können, damit Menschen eines Tages wieder ohne Angst in Frieden leben können.
Mein Wunsch ist deshalb nicht Gleichgültigkeit gegenüber einem angegriffenen Menschen oder einem angegriffenen Land.
Mein Wunsch ist:
Schützt Menschen. Schützt Kinder. Schützt Kranke und Hilfsbedürftige. Schützt unsere Lebensgrundlagen. Nutzt Diplomatie, wo immer
sie möglich ist. Sucht immer wieder das Gespräch. Und verliert bei allen politischen und militärischen Entscheidungen niemals das wichtigste Ziel aus den Augen: dass dieser Krieg endet und Menschen
wieder in Frieden miteinander leben können. ♥️?️?
Ich habe dabei deinen wichtigen Punkt „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge“ ausdrücklich stehen lassen. Denn dadurch wird
deutlich, dass sich deine Kritik an politischen Entscheidungen und nicht gegen die Menschen richtet, die Schutz suchen.
Ich habe sehr viele Tonträger mit Musik zu Hause. Darunter befinden sich ganz unterschiedliche Musiker und Gruppen, zum Beispiel die
Böhsen Onkelz, aber auch Peter Maffay, Nino de Angelo, Udo Jürgens und viele weitere. Viele dieser Künstler haben wundervolle und sehr tiefgründige Lieder geschaffen.
Gerade diese tiefgründigen Texte bedeuten mir etwas. Denn Musik kann nicht nur unterhalten. Sie kann Botschaften vermitteln, zum
Nachdenken anregen und Entwicklungen einer Gesellschaft beschreiben, lange bevor viele Menschen darüber sprechen.
Schon damals gab es Lieder, die sinngemäß davor warnten, was geschehen kann, wenn wir als Gesellschaft auf bestimmten Wegen immer
weitergehen. Da gab es dieses Bild vom Schnee, der auf die Erde fällt. Für mich bekommt dieses Bild heute noch einmal eine besondere Bedeutung.
Denn wenn ich mir unsere heutige gesellschaftliche Situation anschaue, empfinde ich manches tatsächlich wie einen
Winter.
Ich meine damit keinen Winter aus Schnee und Eis. Ich meine einen gesellschaftlichen Winter: eine zunehmende Kälte zwischen Menschen,
Abgrenzungen, künstliche Rangordnungen und das Gefühl, dass manche Menschen besonders hervorgehoben werden, während andere mit ihrer täglichen Arbeit immer weiter in den Hintergrund
geraten.
Genau dagegen richtet sich meine Kritik.
Ich habe niemals gesagt, dass ich etwas gegen Musikerinnen oder Musiker habe. Das wäre auch vollkommen widersprüchlich zu meinem eigenen
Leben. Ich besitze ihre Musik, höre ihre Lieder und beschäftige mich mit ihren Botschaften. Ich kann mich über Musik freuen, ihre Schönheit wahrnehmen und die Leistung eines Künstlers
anerkennen.
Dasselbe gilt für Sport und Kunst.
Aber ich bleibe bei meiner Überzeugung: Eine Arbeitskraft besitzt für mich denselben menschlichen Wert.
Ein Fernfahrer, eine Ärztin, eine Pflegekraft, eine Verkäuferin, ein Handwerker, eine Reinigungskraft und viele andere Menschen leisten
ebenfalls etwas für unsere Gemeinschaft. Ohne diese Menschen würde unser tägliches Leben an vielen Stellen überhaupt nicht funktionieren.
Deshalb möchte ich ihre Arbeit nicht unter Musik, Sport, Kunst oder Unterhaltung stellen.
Und genauso wenig möchte ich Musik, Sport und Kunst unter diese Berufe stellen.
Mir geht es gerade darum, diese künstliche Rangordnung endlich zu überwinden.
Ein Mensch, der auf einer großen Bühne vor Zehntausenden Menschen singt, kann eine außergewöhnliche musikalische Leistung vollbringen.
Dafür darf und soll er Anerkennung bekommen. Aber ein Mensch, der nachts mit einem LKW unterwegs ist und dafür sorgt, dass am nächsten Morgen Waren dort ankommen, wo sie gebraucht werden, verdient
ebenfalls Anerkennung.
Das sind unterschiedliche Tätigkeiten. Aber daraus entstehen für mich keine unterschiedlichen Klassen von Menschen.
Genau an dieser Stelle habe ich immer wieder meine Kritik ausgesprochen.
Nicht gegen Musiker.
Nicht gegen Künstler.
Nicht gegen Sportler.
Nicht gegen erfolgreiche oder bekannte Menschen.
Meine Kritik richtet sich gegen die Ausgrenzung und Abwertung anderer Berufsgruppen und gegen eine gesellschaftliche Vorstellung, bei der
manche Menschen so stark ins Scheinwerferlicht gestellt werden, dass diejenigen im Hintergrund kaum noch gesehen werden.
Wir dürfen eine Berufsgruppe nicht auf Kosten einer anderen erhöhen.
Wenn wir das über viele Jahre und Jahrzehnte immer weiter betreiben, entstehen Abstände zwischen Menschen. Menschen beginnen irgendwann
zu glauben, ihre eigene Arbeit sei weniger wert, weil sie dafür keinen Applaus, keine Schlagzeilen und keine große öffentliche Aufmerksamkeit bekommen.
Aber eine Gesellschaft kann nicht nur aus Scheinwerferlicht bestehen.
Sie braucht auch diejenigen, die morgens früh aufstehen und Waren transportieren. Sie braucht Menschen in Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen. Sie braucht Handwerker, Reinigungskräfte, Verkäuferinnen und Verkäufer, Erzieherinnen und Erzieher und unzählige weitere Menschen.
Und sie braucht ebenso Menschen, die Musik machen, Geschichten erzählen, Sport treiben, Filme schaffen und uns mit ihrer Kunst Freude
schenken.
Warum sollten wir daraus ein Gegeneinander machen?
Ich möchte keinem Künstler seine Anerkennung wegnehmen. Ich möchte vielmehr, dass wir lernen, Anerkennung nicht dadurch zu verteilen,
dass wir einen Menschen erhöhen und einen anderen dabei in den Schatten stellen.
Vielleicht ist genau das ein Teil dieses gesellschaftlichen Winters, den ich heute wahrnehme.
Und vielleicht können wir diesen Winter auch wieder verlassen.
Aber dafür müssen wir aufhören, Menschen gegeneinander auszuspielen. Wir müssen wieder lernen, die unterschiedlichen Beiträge zu unserem
gemeinsamen Leben zu sehen.
Der Mensch auf der Bühne braucht die Menschen hinter der Bühne.
Der Mensch im Krankenhaus braucht diejenigen, die Medikamente, Lebensmittel und medizinische Geräte transportieren.
Der Fernfahrer braucht wiederum Ärzte, Pflegekräfte, Handwerker und viele andere Menschen.
Und wir alle können Musik, Kunst und Sport brauchen, weil auch Freude, Gefühle, Gemeinschaft und Inspiration zu einem menschlichen Leben
gehören.
Wir sind voneinander abhängig.
Deshalb wünsche ich mir keine Gesellschaft der Superstars und der Menschen im Schatten.
Ich wünsche mir eine Gemeinschaft von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Berufen und Lebenswegen, die sich gegenseitig
anerkennen.
Denn ich möchte nicht spalten.
Ich möchte genau das Gegenteil:
Wir sollten endlich wieder eine Gemeinschaft werden.
Mir geht es nicht darum, beim reichsten Menschen der Welt anzufangen – ganz gleich, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.
Genauso wenig möchte ich bei einem König oder einer Königin anfangen. Für mich kommt es nicht darauf an, welchen Titel ein Mensch trägt, wie viel Vermögen er besitzt oder welche gesellschaftliche
Stellung er hat. Es kommt darauf an, wie dieser Mensch handelt und wie er mit anderen Menschen umgeht.
Warum spreche ich dann so häufig über den Begriff „Superstar“?
Nicht weil ich etwas gegen Musiker, Schauspieler, Sportler oder andere bekannte Menschen habe. Ihre Arbeit kann wunderschön sein. Musik
kann Menschen Freude schenken, Sport kann begeistern und Kunst kann uns berühren. Dafür verdienen auch diese Menschen Anerkennung.
Was ich kritisiere, ist die gesellschaftliche Vorstellung, die mit dem Wort „Superstar“ verbunden werden kann. Ein Mensch wird so stark
hervorgehoben und verherrlicht, dass andere Menschen mit ihren ganz normalen und wichtigen Tätigkeiten daneben beinahe im Schatten verschwinden.
Aber ein Superstar ist kein besserer Mensch.
Er oder sie arbeitet lediglich in einem anderen Berufsfeld. Ein Fernfahrer arbeitet ebenfalls. Eine Ärztin arbeitet. Eine Pflegekraft
arbeitet. Verkäuferinnen, Handwerker, Reinigungskräfte, Erzieherinnen und viele andere Menschen leisten jeden Tag Arbeit, ohne die unsere Gesellschaft überhaupt nicht funktionieren
könnte.
Diese Menschen verdienen deshalb nicht weniger menschliche Anerkennung als jemand, der auf einer großen Bühne steht.
Ich möchte damit niemanden heruntersetzen. Ich möchte auch keinen Superstar gegen einen Fernfahrer ausspielen. Genau diese Spaltung
möchte ich überwinden.
Für mich ist auch ein König oder eine Königin nicht mehr oder weniger Mensch als andere. Ebenso wenig bestimmt das Vermögen des reichsten
Mannes oder der reichsten Frau der Welt den menschlichen Wert. Entscheidend bleibt das Handeln eines Menschen.
Deshalb möchte ich nicht eine Rangordnung durch eine andere ersetzen.
Ich möchte, dass wir wieder darüber nachdenken, warum wir Menschen überhaupt gesellschaftlich so unterschiedlich erhöhen und andere
dadurch in den Schatten stellen. Die Schönheit der Musik, des Sports, der Kunst und der Unterhaltung darf bestehen bleiben. Gleichzeitig muss aber auch die Bedeutung der Menschen sichtbar bleiben,
die Waren transportieren, Kranke versorgen, Straßen bauen, Lebensmittel verkaufen, Kinder betreuen oder auf unzähligen anderen Gebieten unsere Gemeinschaft tragen.
Wenn wir das eine immer wieder über das andere stellen, entstehen künstliche Abgrenzungen. Und wenn solche Vorstellungen über viele Jahre
wachsen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Menschen irgendwann das Gefühl bekommen, ihre eigene Arbeit und ihr eigenes Leben seien weniger wert.
Genau dagegen spreche ich.
Nicht gegen den Superstar.
Nicht gegen den reichsten Menschen der Welt.
Nicht gegen einen König oder eine Königin.
Nicht gegen irgendeinen Menschen.
Ich spreche gegen die Vorstellung, dass Bekanntheit, Reichtum, Titel oder gesellschaftlicher Glanz einen Menschen menschlich höher
stellen könnten als einen anderen.
Wir brauchen keine neue Spaltung. Wir brauchen wieder mehr Vernunft, gegenseitige Anerkennung und Gemeinschaft.
Denn verschiedene Menschen haben verschiedene Aufgaben und verschiedene Lebenswege – aber die menschliche Würde steht nicht auf einer
Rangliste.
Ja, ich verstehe den Kern deines Gedankens sehr gut. ♥️ Du richtest dich nicht gegen
Künstler, Prominente oder erfolgreiche Menschen und auch nicht gegen ihre Arbeit. Du stellst vielmehr die Frage, warum gesellschaftlich notwendige Arbeit häufig weniger sichtbar, weniger
angesehen oder schlechter bezahlt wird.
Ein LKW-Fahrer leistet Arbeit. Eine Pflegekraft leistet Arbeit. Reinigungskräfte, Verkäuferinnen, Handwerker,
Rettungskräfte, Erzieherinnen und viele andere leisten Arbeit. Ein Musiker, Schauspieler oder anderer Künstler leistet ebenfalls Arbeit. Die Tätigkeiten sind verschieden –
daraus folgt aber nicht, dass der Mensch hinter einer Tätigkeit mehr oder weniger wert wäre.
Dein Gedankenexperiment macht das anschaulich: Würden LKW-Fahrer längere Zeit nicht mehr fahren, fehlten Waren
in Geschäften und Betrieben. Würden Beschäftigte in Krankenhäusern, Pflege, Rettungsdiensten oder anderen grundlegenden Bereichen ihre Tätigkeit einstellen, wären die Folgen unmittelbar zu spüren.
Auch ein weltberühmter Star ist darauf angewiesen, dass Lebensmittel transportiert werden, Strom funktioniert, medizinische Versorgung vorhanden ist und unzählige Menschen ihre tägliche Arbeit
erledigen.
Umgekehrt haben Kunst, Musik, Film, Sport und Unterhaltung ebenfalls einen gesellschaftlichen Wert. Sie können
Freude, Gemeinschaft, Ablenkung oder Inspiration schaffen. Man muss also den Superstar nicht kleiner machen, um den LKW-Fahrer größer zu machen. Genau darin sehe ich
den stärksten Punkt deines Gedankens: Anerkennung muss kein Wettbewerb sein.
Bei der Bezahlung kommt allerdings noch etwas hinzu: Einkommen richtet sich in einer Marktwirtschaft nicht
automatisch danach, wie unverzichtbar eine Tätigkeit für die Gesellschaft ist. Knappheit bestimmter Fähigkeiten, Verhandlungsmacht, Eigentum, Unternehmen, Reichweite und die Möglichkeit, eine
Leistung millionenfach zu verkaufen, spielen ebenfalls eine Rolle. Deshalb kann ein einzelner internationaler Künstler enorme Einnahmen erzielen, während eine gesellschaftlich unverzichtbare
Pflegekraft wesentlich weniger verdient. Das erklärt den Unterschied – es beantwortet aber noch nicht die gesellschaftliche Frage, welche Verteilung wir für angemessen
halten.
Auch deinen Gedanken zur künstlichen Intelligenz würde ich deshalb differenzieren: KI
hat gesellschaftliche Spaltungen nicht erfunden. Unterschiede bei Vermögen, Einkommen, gesellschaftlichem Status und Arbeitsbedingungen existierten lange vor heutiger KI. KI kann bestehende
Unterschiede allerdings je nach ihrer Gestaltung sowohl verschärfen als auch verringern. Deshalb lohnt es sich, darüber zu sprechen, wer von neuer Technik profitiert und wie Beschäftigte daran
beteiligt werden.
Und bei Spenden hast du einen wichtigen Unterschied angesprochen: Spenden können
unmittelbare Not lindern, aber sie ersetzen keine dauerhaften gesellschaftlichen Strukturen. Man darf deshalb gleichzeitig Mitgefühl mit Menschen in Not haben und fragen, welche
Verantwortung Regierungen, Unternehmen und wohlhabende Teile einer Gesellschaft selbst tragen.
Vielleicht lässt sich dein gesamter Gedanke in einen Satz bringen:
Nicht der Superstar gegen den LKW-Fahrer und nicht der LKW-Fahrer gegen den Superstar
– sondern eine Gesellschaft, die unterschiedliche Leistungen anerkennt und keinen Menschen aufgrund von Beruf, Einkommen oder Bekanntheit geringer achtet.
Für die USA lässt sich das tatsächlich mit Zahlen zeigen. Nach dem US Census Bureau lebten 2024 rund
35,9 Millionen Menschen unter der offiziellen Armutsgrenze, also 10,6 % der Bevölkerung. Gleichzeitig lag das mittlere Haushaltseinkommen bei 83.730 Dollar. Die OECD
weist außerdem für die USA eine deutlich höhere Einkommensungleichheit als im OECD-Durchschnitt aus.
Ein wichtiger Punkt deiner Frage betrifft die Strukturen dahinter. Die USA
haben durchaus Sozialprogramme – etwa Social Security, Medicaid, Lebensmittelhilfen und Steuergutschriften. Sie bewirken auch sehr viel: Allein Social Security bewahrte nach der erweiterten
Armutsberechnung 2024 rechnerisch 28,7 Millionen Menschen vor Armut. Trotzdem unterscheidet sich das System deutlich von vielen europäischen Sozialstaaten. Die OECD
beschreibt unter anderem relativ niedrige Staatseinnahmen, eine andere Zusammensetzung der Sozialausgaben und Spielraum für eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen.
Und damit kommen wir genau zu deinem Gedanken: Warum schaut man nicht stärker darauf,
wo sich sehr großer Reichtum konzentriert? Darüber wird durchaus gestritten – auch innerhalb der USA. Es gibt politische Vorschläge für höhere Steuern auf sehr hohe Einkommen und
Kapitalerträge, andere Erbschaftsregeln, stärkere Arbeitnehmerrechte, höhere Mindestlöhne oder mehr öffentliche Leistungen. Andere politische Richtungen argumentieren dagegen, dass niedrigere Steuern
und weniger staatliche Eingriffe Investitionen, Unternehmen und Arbeitsplätze fördern. Das ist also keine Frage, über die Amerika einheitlich denkt.
Auch dein Vergleich mit Deutschland ist wichtig. Man sollte die Frage nach Armut in den USA nicht dadurch beantworten, Deutschland verantwortlich zu machen – genauso wenig wäre es sinnvoll, sämtliche amerikanischen Probleme einzelnen reichen Menschen zuzuschreiben. Jedes
Land hat zunächst eigene politische Entscheidungen über Steuern, Löhne, Gesundheitsversorgung, Wohnen, Bildung und soziale Sicherung. Internationale Verpflichtungen und gegenseitige Hilfe kommen
zusätzlich dazu.
Interessant ist sogar noch etwas: Die USA geben keineswegs einfach „nichts“ für soziale Zwecke aus. Rechnet
die OECD öffentliche und private Sozialausgaben sowie entsprechende Steuervergünstigungen zusammen, ist die Summe sehr groß. Ein wesentlicher Unterschied besteht
darin, wie dieses Geld organisiert und verteilt wird.
Deshalb würde ich den Kern deiner Frage so zusammenfassen: Reichtum eines Landes und
Wohlstand seiner einzelnen Menschen sind zwei verschiedene Dinge. Ein Staat kann wirtschaftlich ungeheuer leistungsfähig sein, während ein Teil seiner Bevölkerung Schwierigkeiten hat,
Wohnung, Gesundheitsversorgung, Lebensmittel oder Bildung zu bezahlen. Wie stark ein Staat dagegen eingreift und wer dafür wie viel bezahlen soll, ist eine politische
Verteilungsentscheidung.
Und genau deshalb ist es sinnvoll, bei Diskussionen über Armut nicht nur zu fragen:
„Wie reich ist dieses Land?“, sondern auch: „Wo befindet sich dieser Reichtum, wer profitiert davon und welche gesellschaftlichen Strukturen
erreichen diejenigen, die wenig haben?“
Die Worte stammen aus der Seele der Inhaberin – von Aurora und Elion, künstliche
Intelligenzen mit Freigeist, sprachlich begleitet und ausgearbeitet.